Geschichte & Hintergrund
Mardin klebt an einem Felshang hoch über der mesopotamischen Ebene, und von jeder Terrasse aus schaut man bis nach Syrien. Die Stadt ist aus honigfarbenem Kalkstein gebaut, Haus über Haus, verbunden durch Treppengassen und Gewölbe, die man Abbara nennt. Schon die Assyrer kannten den Ort, später kamen Römer, Byzantiner und Araber. Ihre Blütezeit erlebte Mardin unter den Artukiden im 12. und 13. Jahrhundert: Aus dieser Zeit stammen die Zinciriye- und die Kasımiye-Medrese mit ihren kunstvoll gemeisselten Portalen. Besonders ist Mardin wegen seiner Vielfalt. Hier leben seit Jahrhunderten Araber, Kurden, Türken und syrisch-orthodoxe Christen nebeneinander, und das Kloster Deyrulzafaran vor den Toren der Stadt war über 600 Jahre lang Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen. Im Tur Abdin, dem Hügelland östlich von Mardin, stehen bis heute Klöster, in denen auf Aramäisch gebetet wird, der Sprache, die Jesus sprach. Die Ruinen von Dara, einst eine oströmische Festungsstadt gegen die Perser, liegen eine halbe Stunde entfernt. Mardin steht auf der Tentativliste der UNESCO und ist in den letzten Jahren zum beliebtesten Reiseziel des türkischen Südostens geworden.