Neusiedler See

Österreich · Wien, Donau & Burgenland · Reiseguide

Neusiedler See

Was drei, vier Tage am Steppensee wirklich kosten, warum der Radweg um den See besser ist als jeder Strand und wie du die Störche in Rust siehst, bevor die Busse kommen.

Foto: Marta Branco / Pexels

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1'670 CHF
≈ 835 CHF pro Person
  • Anreise 320 CHF
  • Unterkunft 650 CHF
  • Essen 450 CHF
  • Transport vor Ort 100 CHF
  • Seefestspiele Mörbisch (Sitzplatz Mittelklasse) 150 CHF

Schätzwerte zur Orientierung, keine Buchungspreise. Anreise heisst hier Bahn oder Auto ab der Schweiz, hin und zurück pro Person. Hotels schwanken saisonal stark, aktuelle Preise findest du über die Links weiter unten.

Geld & Bezahlen: Bezahlt wird in Euro (EUR). Karten gehen fast überall, Hütten und Würstelstände wollen oft Bargeld. Trinkgeld ist Pflicht im Gefühl der Österreicher: 5 bis 10 Prozent, beim Bezahlen «stimmt so» sagen. Die Kurtaxe von CHF 2 bis 4 pro Nacht kommt in Skiorten zum Hotelpreis dazu. Anreise: Anreise mit Bahn (ÖBB Railjet), Auto oder Flug nach Wien, 2 bis 8 Stunden.

Hotel-Empfehlungen

Neun Optionen in drei Preisklassen – jeweils die Häuser mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Budget

Die Pension Reeh

Podersdorf am See, Neusiedler See

Dreisterne-Pension direkt am Seeufer von Podersdorf mit Garten und Sonnenterrasse, Frühstück inklusive, Velounterstand und Gastgebern, die den Wind kennen. Für Surfer, Velofahrer und Familien, die den Tag am Wasser verbringen und nachts nur ein sauberes Bett brauchen.

ab CHF 90 / Nacht Ansehen →

Pension Strohmer

Rust, Neusiedler See

Dreisterne-Pension in Rust mit Zimmern mit eigenem Bad und Parkett, Frühstück inklusive, wenige Minuten zu Fuss in die Altstadt mit den Storchennestern. Für alle, die in Rust wohnen wollen, ohne Hotelpreise zu zahlen.

ab CHF 90 / Nacht Ansehen →

JUFA Hotel Neusiedlersee

Neusiedl am See, Neusiedler See

Familien- und Gruppenhotel der österreichischen JUFA-Kette am Rand von Neusiedl, mit Mehrbettzimmern, Spielplatz, Halbpension und Radverleih, nahe dem Bahnhof. Nüchtern, aber für Familien mit Kindern und kleinem Budget schwer zu schlagen.

ab CHF 90 / Nacht Ansehen →

Mittelklasse

Hotel Sifkovits

Rust, Neusiedler See

Familiengeführtes Hotel am Ortsrand von Rust auf dem Weg zum Seebad, mit grossem Garten, Pool, Sauna und sehr gutem Frühstück. Ruhig, freundlich, mit eigenem Wein. Für Paare und Familien, die Rust als Basis für den ganzen See nutzen.

ab CHF 130 / Nacht Ansehen →

Hotel Wende

Neusiedl am See, Neusiedler See

Grosses Traditionshotel in Neusiedl mit Hallenbad, Sauna, Restaurant und Fahrradverleih, zehn Minuten zu Fuss vom Bahnhof. Nicht am Wasser, aber als Basis für Anreise mit der Bahn und für Velotouren an beide Ufer praktisch. Für alle, die Komfort ohne Schnickschnack wollen.

ab CHF 120 / Nacht Ansehen →

Seehotel Rust

Seekanal, Rust

Viersternhaus am Seekanal beim Seebad von Rust, mit Spa, Hallenbad, Tennishalle und Blick auf Schilf und Segelhafen. Zimmer mit Balkon, Restaurant mit Zander und Ruster Weinen. Für alle, die morgens vor dem Frühstück in den See wollen, ins Zentrum sind es 20 Minuten zu Fuss.

ab CHF 160 / Nacht Ansehen →

Luxus

St. Martins Therme & Lodge

Frauenkirchen, Seewinkel

Therme mit Hotel am Rand des Nationalparks, mit eigenem Badesee, Saunadorf, Ranger-Touren in den Seewinkel und Blick in die Puszta. Für Familien und alle, die den See mit Wellness verbinden wollen, der Thermeneintritt ist für Hotelgäste inklusive.

ab CHF 260 / Nacht Ansehen →

Hotel Galántha

Eisenstadt, Burgenland

Seit 2022 das Designhotel der Esterházy-Stiftung neben dem Schloss in Eisenstadt, mit Dachterrasse, Pool und Restaurant unter einem bekannten Küchenchef. Nicht am See, aber 15 Minuten davon entfernt und das modernste Haus der Region. Für Kultur- und Designreisende.

ab CHF 220 / Nacht Ansehen →

Art Boutique Hotel Bürgerhaus

Rust, Neusiedler See

Das barocke Bürgerhaus der Familie Mooslechner an der Hauptstrasse in der Ruster Altstadt mit wenigen, individuell eingerichteten Suiten und einem der besten Restaurants am See. Innenhof, Störche auf dem Dach, Weinkeller mit Ruster Ausbruch. Für Paare, die wegen des Essens und der Stille kommen.

ab CHF 200 / Nacht Ansehen →

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Erlebnisse, die sich lohnen

Rust: Altstadt, Störche und Seebad

Barocke Bürgerhäuser, Storchennester auf den Kaminen von Ende März bis August, der Fischerkirche aus dem 12. Jahrhundert (CHF 3) und der zwei Kilometer lange Weg durchs Schilf zum Seebad. Stadtführungen ab CHF 8 pro Person, 90 Minuten. Vor 10 Uhr sind die Gassen leer, dann kommen die Busse aus Wien.

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Velorunde um den See mit Fähre

Rund 125 Kilometer flach auf dem Radweg B10 durch Österreich und Ungarn, mit Fähre (CHF 8 bis 12 mit Velo) auf 50 bis 60 Kilometer kürzbar. Velo ab CHF 15, E-Bike ab CHF 35 pro Tag in Rust, Neusiedl, Podersdorf und Illmitz. Im Uhrzeigersinn fahren, Pass mitnehmen, ganzer Tag.

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Seefestspiele Mörbisch

Operette auf der Seebühne im Schilf, Mitte Juli bis Ende August, Karten CHF 35 bis 150, mit Feuerwerk zum Finale. Fernglas und Mückenschutz mitnehmen, Shuttlebusse ab Eisenstadt und Rust. Vorstellung rund drei Stunden ab 20.30 Uhr, bei Gewitter Abbruch gegen Gutschein.

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Nationalpark Seewinkel: Lange Lacke und Ranger-Tour

Salzlacken, Graurinder, weisse Esel und über 350 Vogelarten östlich des Sees. Der Rundweg um die Lange Lacke bei Apetlon ist gratis, Ranger-Exkursionen ab dem Informationszentrum Illmitz kosten ab CHF 10 und sind mit der Neusiedler See Card gratis, Ferngläser leihbar. Halber Tag, am besten früh morgens oder zum Sonnenuntergang.

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Podersdorf: Strand, Leuchtturm und Surfen

Der einzige Ort direkt am Wasser ohne Schilf, mit Sandstrand, Leuchtturm, Promenade und Surf- und Kiteschulen (Schnupperkurs ab CHF 80, Materialmiete ab CHF 40). Strandeintritt CHF 5 bis 7, mit der Neusiedler See Card gratis. Im Juli und August laut und voll, im Juni und September perfekt.

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Weinverkostung in Rust oder Illmitz

Blaufränkisch, Zweigelt und der edelsüsse Ruster Ausbruch bei Winzern wie Feiler-Artinger in Rust oder Kracher in Illmitz, Verkostung CHF 8 bis 15, beim Kauf oft gratis, geführte Weintouren mit mehreren Gütern CHF 70 bis 120 pro Person. Zwei bis drei Stunden, vorher anmelden.

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Schloss Esterházy und Haydnsaal in Eisenstadt

Das Barockschloss der Fürsten Esterházy mit dem Haydnsaal, in dem Haydn 30 Jahre lang dirigierte, Eintritt rund CHF 14, Führung CHF 18, Konzerte ab CHF 30. Dazu die Bergkirche mit Haydns Grab und das Haydn-Haus. Halber Tag, mit Bahn ab Neusiedl oder Bus ab Rust, mit der Neusiedler See Card gratis.

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Oper im Römersteinbruch St. Margarethen

Opernfestspiele im Steinbruch, aus dem der Stephansdom gebaut wurde, Juli und August, Karten CHF 50 bis 150, mit Felsen als Kulisse eindrücklicher als Mörbisch. Tagsüber ist das Gelände mit dem Skulpturenpark für wenige Franken zu besichtigen. 15 Minuten von Rust.

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Tagesausflug Sopron

Ungarns schönste Barockstadt 20 Kilometer hinter Mörbisch, mit Feuerturm (CHF 5), Altstadt, günstigen Restaurants und dem Gedenkort des Paneuropäischen Picknicks von 1989. Mit Bahn ab Eisenstadt oder Neusiedl in 30 bis 45 Minuten, geführte Touren ab CHF 40. Forint oder Karte, Euro werden oft genommen.

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Essen & Trinken

Rund um den See wird pannonisch gekocht, mit Paprika, Zander, Gans und Mangalitza, und zu allem gibt es Wein von Winzern, die zehn Minuten entfernt wohnen. Die Küche ist deftiger und günstiger als in Wien, die Heurigen heissen Buschenschank und öffnen wochenweise, und im Herbst dreht sich alles um die Gans. Wer Kürbiskernöl auf dem Zander und einen Ausbruch zum Dessert probiert hat, versteht das Burgenland.

Zander in Kürbiskernpanade

Wirtshäuser in Rust und Podersdorf, Seehotel Rust direkt am Wasser

Der Fisch des Sees, gebraten oder in Kernölpanade mit Erdäpfelsalat, CHF 18 bis 26. Fogosch heisst dasselbe auf Ungarisch, Zanderfilet mit Kernöl ist das Gericht, das jedes Wirtshaus am See führt.

Tipp:Fragen, ob der Zander aus dem See oder aus der Zucht kommt; im Sommer ist Schonzeit, dann ist er importiert.

Ruster Ausbruch

Weingut Feiler-Artinger in Rust und andere Ruster Winzer mit Ab-Hof-Verkauf

Edelsüsser Wein aus edelfaulen Trauben, seit 1681 Ruster Privileg, mit Honig- und Marillennoten, CHF 25 bis 50 die halbe Flasche ab Hof, das Glas im Lokal CHF 6 bis 9. Zu Blauschimmelkäse, Gänseleber oder einfach als Dessert.

Tipp:Ein kleines Glas reicht, der Wein hat oft 12 Prozent und 150 Gramm Restzucker; gut gekühlt, nicht eiskalt.

Blaufränkisch und Zweigelt

Buschenschänken in Rust, Oggau, Purbach und Illmitz, Weingut Umathum in Frauenkirchen

Die Rotweine der Region: Blaufränkisch vom Leithaberg würzig und kühl, Zweigelt aus dem Seewinkel fruchtig und weich. Ein Viertel beim Buschenschank CHF 3.50 bis 5, die Flasche ab Hof CHF 8 bis 14, Lagenweine CHF 20 bis 40.

Tipp:Ab Hof kaufen und per Post nach Hause schicken lassen kostet oft weniger als der Aufpreis im Schweizer Handel.

Martinigansl

Gansl-Wochen in Rust, Mörbisch, Illmitz und Podersdorf, Reservierung nötig

Gebratene Gans mit Rotkraut, Erdäpfel- oder Semmelknödel und Maroni, ab Martini am 11. November bis Ende November in jedem Wirtshaus, CHF 25 bis 32 pro Portion. Das Burgenland ist das Gänseland Österreichs, die Tiere weiden im Seewinkel.

Tipp:Eine halbe Gans ist für zwei Personen gedacht, auch wenn die Karte es nicht sagt.

Paprikahendl mit Nockerln

Wirtshäuser in Mörbisch, Illmitz und Apetlon

Huhn in Paprikarahmsauce mit Butternockerln, ungarisches Erbe und burgenländisches Alltagsgericht, CHF 15 bis 18. Mild, nicht scharf, der Paprika ist der edelsüsse.

Tipp:Mittags als Menü mit Suppe für CHF 12 bis 14, das ist der beste Preis des Tages.

Mangalitza-Speck und Grammelpogatscherl

Buschenschänken und Bauernläden in Illmitz, Apetlon und Frauenkirchen

Der Speck vom Wollschwein, das im Seewinkel weidet, ist weiss, weich und schmilzt auf der Zunge, auf dem Brett mit Brot CHF 9 bis 13; Pogatscherl sind kleine Grammelgebäckstücke zum Wein, CHF 1 bis 2 das Stück.

Tipp:Grammelpogatscherl gibt es am Freitag und Samstag frisch, unter der Woche aus der Dose, einfach fragen.

Marillen- und Kürbisgerichte vom Hof

Hofläden und Buschenschänken in Illmitz, Podersdorf und Frauenkirchen

Der Seewinkel ist Obst- und Gemüseland: Marillenknödel im Juli (CHF 9 bis 11), Kürbiscremesuppe mit Kernöl im Herbst (CHF 6 bis 8), dazu Kernöl, Paprikapulver und Marmeladen in den Hofläden ab CHF 5.

Tipp:Kürbiskernöl kommt aus der Steiermark, nicht vom See, die Hofläden führen es trotzdem; das burgenländische Original ist der Paprika aus dem Seewinkel.

Food-Tour buchen: Neusiedler See

Mit Guide durch Märkte und Lokale, inklusive Kostproben.

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Geschichte & Hintergrund

Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas, 36 Kilometer lang, durchschnittlich nur 1,2 Meter tief, umgeben vom zweitgrössten zusammenhängenden Schilfgürtel des Kontinents. Er hat keinen nennenswerten Zufluss und keinen natürlichen Abfluss, nur Regen und Verdunstung, und deshalb ist er zwischen 1865 und 1871 schon einmal komplett ausgetrocknet; auch 2022 und 2023 sank der Pegel so tief, dass Segelhäfen trocken lagen. Das Land ringsum gehörte über Jahrhunderte zu Ungarn, Rust war seit 1681 königliche Freistadt mit dem Privileg, Wein nach Wien zu liefern, und die Weinbauern bezahlten den Freibrief mit 60'000 Gulden und 500 Eimern Ausbruch. Die Familie Esterházy regierte von Eisenstadt aus, Joseph Haydn war dort 30 Jahre lang Kapellmeister und komponierte auf dem Schloss einen grossen Teil seines Werks. 1921 kam das Burgenland nach dem Zerfall der Monarchie und einer Volksabstimmung in Ödenburg, das als Sopron bei Ungarn blieb, zu Österreich, der See wurde geteilt, und das Südufer liegt bis heute auf ungarischer Seite. Der Eiserne Vorhang verlief ab 1948 mitten durch den Schilfgürtel; am 19. August 1989 öffneten Ungarn und Österreich beim Paneuropäischen Picknick bei Sopron für drei Stunden ein Tor im Zaun, 600 DDR-Bürger liefen hindurch, und drei Monate später fiel die Mauer. 1993 wurde der grenzüberschreitende Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel gegründet, 2001 kam die Region als Kulturlandschaft auf die UNESCO-Welterbeliste. Heute lebt das Nordburgenland von Wein, Störchen, Vögeln, Surfern und den Seefestspielen Mörbisch, die seit 1957 auf einer Bühne im Wasser Operetten spielen.

Insider-Tipps

Anreise: über Wien mit Bahn, Velo ab Neusiedl, Auto nur für den Seewinkel

Von der Schweiz führt der Weg über Wien: Railjet oder Nightjet ab Zürich bis Wien Hauptbahnhof (8 Stunden, Sparschiene ab CHF 30 bis 40 einfach, Nightjet-Liegewagen ab CHF 60 bis 80), dann weiter mit der S-Bahn oder dem Regionalexpress nach Neusiedl am See in 45 Minuten oder nach Eisenstadt in 70 Minuten, rund CHF 10 bis 13 im Verkehrsverbund. Nach Rust und Mörbisch fahren Busse ab Eisenstadt, nach Podersdorf und Illmitz ab Neusiedl, allerdings nicht häufig; der Fahrplan entscheidet den Tag. Die Alternative ist der Flug nach Wien mit Swiss oder Austrian (1 Stunde 20 Minuten, CHF 150 bis 300 hin und zurück) und die S-Bahn direkt vom Flughafen nach Neusiedl in 40 Minuten, das ist die schnellste Verbindung überhaupt. Mit dem Auto sind es ab Zürich 790 Kilometer und 8 bis 9 Stunden, Vignette CHF 11 für 10 Tage. Vor Ort ist das Velo das beste Verkehrsmittel: Der Radweg B10 führt flach um den See, Verleiher in Neusiedl, Rust, Podersdorf und Illmitz vermieten ab CHF 15 pro Tag, E-Bikes ab CHF 35, und die Fähren zwischen Mörbisch, Illmitz, Rust und Podersdorf (CHF 8 bis 12 mit Velo, April bis Oktober) kürzen die Runde ab. Ein Auto lohnt sich nur für die Lacken und Weingüter im Seewinkel, Mietwagen ab Wien ab CHF 50 pro Tag.

Unterkunft: Rust oder Podersdorf, Weinort oder Strandort

Am Neusiedler See wohnst du in Pensionen, Winzerhöfen und einigen Seehotels, und die Preise sind fair: Doppelzimmer beim Winzer mit Frühstück CHF 70 bis 110, Mittelklasse-Hotel CHF 110 bis 160, Seehotel oder Weingut mit Spa CHF 180 bis 300. Die Grundentscheidung ist Westufer oder Ostufer. Rust ist die schönste Stadt, barocke Bürgerhäuser, Störche, Heurige, Seebad am Ende einer langen Schilfgasse, zu Fuss 20 Minuten vom Zentrum; Mörbisch gleich südlich hat die Seebühne und ungarisch geprägte Hofgassen mit Maiskolben an den Wänden. Podersdorf am Ostufer ist der einzige Ort direkt am Wasser ohne Schilf, mit Strand, Leuchtturm, Surfschulen und Campingplatz, laut und sommerlich, der Strandort der Wiener Familien. Illmitz liegt im Seewinkel zwischen den Lacken, ruhig, mit Vogelbeobachtern und Winzern, der See ist drei Kilometer weit weg. Neusiedl am See hat den Bahnhof und ist praktisch, aber kein Ort zum Verweilen, Eisenstadt die Hauptstadt mit Schloss Esterházy, 15 Kilometer vom See. Buchen: Für Juli und August mit den Seefestspielen und für die Ferienwochen drei Monate vorher, im Mai, Juni und September zwei bis drei Wochen, in der Nebensaison kurzfristig. Von November bis März ist vieles geschlossen, Rust und Eisenstadt gehen auch im Winter.

Kostenfallen und Spartricks: Neusiedler See Card, Seebäder, Festspieltickets

Die Neusiedler See Card ist der grösste Spartrick der Region, und du bekommst sie gratis: Jeder Gastgeber in der Region händigt sie bei Übernachtung aus, und sie enthält den Eintritt in alle Seebäder (sonst CHF 5 bis 7 pro Tag), die Fähren über den See, die Regionalbusse, Schloss Esterházy, das Haydn-Haus, Führungen im Nationalpark und Rabatte bei Veloverleihern. Frag beim Einchecken danach, nicht alle Pensionen legen sie ungefragt hin. Die Seefestspiele Mörbisch kosten CHF 35 bis 150 je nach Platz, die günstigen Plätze am Rand sehen gut, aber die Bühne ist 60 Meter weit weg, bring ein Fernglas; Vorstellungen fallen bei Gewitter aus, dann gibt es Gutscheine, kein Geld. Weinverkostungen bei Winzern kosten CHF 8 bis 15 oder sind beim Kauf gratis, eine Flasche Zweigelt oder Blaufränkisch ab Hof CHF 8 bis 14, ein Ruster Ausbruch, der edelsüsse Wein, CHF 25 bis 50 die halbe Flasche. Die Storchenorte Rust und Oggau kosten nichts, ebenso der Blick von den Aussichtstürmen im Nationalpark. Teuer wird es nur beim Surfen und Kiten (Kurs ab CHF 80 pro Tag, Material ab CHF 40) und im Hochsommer am Strand von Podersdorf, wo Liegestuhl und Essen Freibadpreise haben. Parkplätze in den Ortszentren kosten CHF 1 bis 2 pro Stunde, am Seebad Rust CHF 5 pro Tag, mit Velo gratis.

Timing: Störche ab März, Badesaison, Festspiele und der Wind

Der Neusiedler See hat eine kurze Hauptsaison und lange ruhige Monate. Ende März kommen die Störche nach Rust zurück und bleiben bis Ende August, ab Mai füttern sie die Jungen auf den Kaminen, das ist die beste Zeit für Rust. April und Mai sind Vogelzug im Seewinkel, mit Tausenden Gänsen, Reihern und Säbelschnäblern an den Lacken, und die Velosaison beginnt mit leeren Wegen. Die Badesaison geht von Juni bis Anfang September; der See ist im Juli 25 Grad warm, aber trüb und flach, nach 100 Metern reicht er dir noch bis zur Hüfte, und wenn der Wind dreht, wandert das Wasser ans andere Ufer. Die Seefestspiele Mörbisch spielen von Mitte Juli bis Ende August, der Juli und August sind voll mit Wiener Familien, die Preise 30 Prozent höher. September ist die beste Zeit überhaupt: warm, leer, Lese, Sturm beim Heurigen, Gänse am Himmel; im Oktober kommen im Seewinkel die Gänse zu Zehntausenden zurück und das Wasser ist zu kalt zum Baden, aber nicht für Velo und Wein. Von November bis März ist der See still, im kalten Winter friert er zu und wird zur grössten Eisfläche Österreichs mit Eislaufen und Eissegeln. Der Wind weht fast immer aus Nordwest, fahr den See deshalb im Uhrzeigersinn mit Rückenwind am Ostufer.

Unterschätzt: Seewinkel, Lange Lacke, Eisenstadt, Sopron und St. Margarethen

Die meisten Besucher bleiben in Rust und Podersdorf. Der Seewinkel östlich des Sees ist Nationalpark, Puszta und das Beste der Region: rund 40 Salzlacken, flache Teiche, die im Sommer austrocknen und weiss schimmern, Graurinder, Mangalitza-Schweine, weisse Esel und über 350 Vogelarten. Die Lange Lacke bei Apetlon ist mit dem Velo auf einem Rundweg von 8 Kilometern umrundbar, mit Beobachtungstürmen, gratis; das Informationszentrum des Nationalparks in Illmitz vermietet Ferngläser und bietet Exkursionen mit Ranger ab CHF 10, mit der Neusiedler See Card gratis. Der Sandeck-Turm südlich von Illmitz ist der beste Platz für Sonnenuntergang über dem See. Eisenstadt hat Schloss Esterházy mit dem Haydnsaal, einem der schönsten Konzertsäle der Welt (Eintritt rund CHF 14), die Bergkirche mit Haydns Grab und eine kleine Altstadt; im September läuft dort das Herbstgold-Festival. Sopron in Ungarn ist 20 Kilometer von Mörbisch entfernt und eine der schönsten Barockstädte des Landes, mit dem Feuerturm, günstigem Essen und dem Gedenkort des Paneuropäischen Picknicks, Bus oder Bahn ab Eisenstadt und Neusiedl. St. Margarethen hat den Römersteinbruch, in dem im Sommer Opern unter freiem Himmel gespielt werden (CHF 50 bis 150) und aus dessen Kalkstein der Stephansdom gebaut wurde; das Gelände kannst du tagsüber besichtigen. Und Purbach und Breitenbrunn am Nordwestufer sind Weinorte mit Kellergassen, in denen kaum Touristen stehen.

Wein, Zander, Gans und Mangalitza: wie das Burgenland isst

Das Nordburgenland ist pannonisch, das heisst halb ungarisch: Paprika, Gulasch, Mangalitza-Wollschwein, Gans im Herbst, Zander aus dem See und Wein, sehr viel Wein. Rund um den See wachsen auf 6'000 Hektaren vor allem Rotweine: Blaufränkisch vom Leithaberg und aus Rust, Zweigelt aus dem Seewinkel, dazu Weissweine und die edelsüssen Ausbruch- und Beerenauslesen, für die Rust und Illmitz berühmt sind und die der Nebel vom See möglich macht. Ein Viertel kostet beim Heurigen CHF 3.50 bis 5, eine Flasche ab Hof CHF 8 bis 14, Spitzenweine von Gütern wie Feiler-Artinger in Rust, Kracher in Illmitz oder Umathum in Frauenkirchen CHF 20 bis 60. Die Heurigen heissen hier oft Buschenschank und öffnen nur zu bestimmten Wochen, erkennbar am Buschen über der Tür. Gegessen wird Zander in Kürbiskernpanade oder gebraten (CHF 18 bis 26), Fogosch ist dasselbe auf Ungarisch, Paprikahendl mit Nockerln (CHF 15 bis 18), Grammelpogatscherl zum Wein, und ab Martini am 11. November Gansl mit Rotkraut und Knödel (CHF 25 bis 32), zu dem das ganze Burgenland Gansl-Wochen ausruft. Die Wirtshäuser in Rust, Mörbisch, Illmitz und Podersdorf sind solide und günstig, Reservieren am Wochenende ist in Rust Pflicht. Und der Uhudler, ein Wein aus alten amerikanischen Direktträgerreben, der nach Erdbeere schmeckt, kommt aus dem Südburgenland, nicht vom See, lass dir nichts erzählen.

Häufige Fragen zu Neusiedler See

Wie komme ich von der Schweiz an den Neusiedler See?

Über Wien: Railjet oder Nightjet ab Zürich bis Wien Hauptbahnhof (8 Stunden, Sparschiene ab CHF 30 bis 40, Liegewagen ab CHF 60 bis 80), dann S-Bahn oder Regionalexpress nach Neusiedl am See in 45 Minuten oder Eisenstadt in 70 Minuten für CHF 10 bis 13. Am schnellsten ist der Flug nach Wien (1 Stunde 20 Minuten, CHF 150 bis 300 hin und zurück) mit der S-Bahn direkt vom Flughafen nach Neusiedl in 40 Minuten. Mit dem Auto 790 Kilometer, 8 bis 9 Stunden. Vor Ort reicht das Velo, Busse fahren selten.

Wie viele Tage sollte ich einplanen?

Drei Nächte sind richtig: ein Tag Rust, Mörbisch und ein Heuriger, ein Tag Velorunde um den See oder eine Hälfte mit Fähre, ein Tag Seewinkel mit Lange Lacke und Illmitz. Mit vier bis fünf Tagen kommst du nach Eisenstadt, Sopron und an den Strand von Podersdorf. Als Tagesausflug ab Wien geht Rust oder Podersdorf, der See lohnt aber die Übernachtung, allein wegen der Neusiedler See Card und der Abende beim Winzer.

Kann man im Neusiedler See baden, und wie ist das Wasser?

Ja, von Juni bis September, in Seebädern am Ende von Schilfkanälen (Rust, Mörbisch, Illmitz, Breitenbrunn) oder direkt am Strand in Podersdorf. Das Wasser ist im Sommer 23 bis 26 Grad warm, aber trüb, leicht salzig und sehr flach: Nach 100 Metern reicht es dir bis zur Hüfte. Bei starkem Wind kann das Wasser ans andere Ufer gedrückt werden, dann liegt der Steg im Schlamm. Für Kinder und Nichtschwimmer ideal, für sportliche Schwimmer nichts. Die Seebäder kosten CHF 5 bis 7, mit der Neusiedler See Card gratis.

Wie lang ist die Velorunde um den See, und schaffe ich sie an einem Tag?

Die ganze Runde auf dem Radweg B10 misst rund 125 Kilometer, führt durch Ungarn und ist flach; trainierte Fahrer schaffen sie an einem langen Tag, mit E-Bike auch Normalsterbliche, für Familien sind zwei Tage richtig. Die Fähren Mörbisch-Illmitz und Rust-Podersdorf (CHF 8 bis 12 mit Velo, April bis Oktober) halbieren die Runde auf 50 bis 60 Kilometer, das ist die beste Tagestour. Fahr im Uhrzeigersinn, dann hast du am Ostufer meist Rückenwind. Pass oder ID mitnehmen für den ungarischen Abschnitt.

Was kostet eine Woche am Neusiedler See?

Wenig, verglichen mit Schweizer Seen. Doppelzimmer beim Winzer CHF 70 bis 110, Mittelklasse CHF 110 bis 160, Mittagessen CHF 14 bis 20, Abendessen mit Wein CHF 30 bis 40 pro Person, Velo CHF 15 pro Tag, Seebäder und Fähren mit der Neusiedler See Card gratis, Weinverkostung CHF 8 bis 15. Rechne mit CHF 90 bis 120 pro Person und Tag ohne Anreise, in der Festspielzeit im Juli und August 30 Prozent mehr. Die Seefestspiele selbst kosten CHF 35 bis 150 pro Platz.

Lohnen sich die Seefestspiele Mörbisch?

Wenn du Operette magst oder einen Sommerabend auf einer Tribüne am Wasser mit Bühne im See: ja. Die Produktionen sind aufwendig, mit Feuerwerk und Lichtshow, die Akustik verstärkt, die Stimmung eher Volksfest als Opernhaus; die besten Plätze kosten CHF 100 bis 150, die hinteren CHF 35 bis 60 und brauchen ein Fernglas. Gelsenschutz ist kein Scherz, am Schilf stechen die Mücken ab 20 Uhr. Bei Gewitter wird abgebrochen, dann gibt es Gutscheine. Eine Alternative mit mehr Anspruch ist die Oper im Römersteinbruch St. Margarethen.

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