Leipzig

Deutschland · Sachsen & Harz · Reiseguide

Leipzig

Was ein paar Tage in der günstigsten Grossstadt Deutschlands wirklich kosten, warum Plagwitz spannender ist als das Zentrum und wie du Bach hörst, ohne ein Konzertticket zu kaufen.

Foto: Sebastian Luna / Pexels

Was kostet deine Reise nach Leipzig?

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1'330 CHF
≈ 665 CHF pro Person
  • Anreise 320 CHF
  • Unterkunft 475 CHF
  • Essen 380 CHF
  • Transport vor Ort 45 CHF
  • Gewandhaus-Konzert (gute Kategorie) 110 CHF

Schätzwerte zur Orientierung, keine Buchungspreise. Anreise heisst hier Bahn oder Auto ab der Schweiz, hin und zurück pro Person. Hotels schwanken saisonal stark, aktuelle Preise findest du über die Links weiter unten.

Geld & Bezahlen: Bezahlt wird in Euro (EUR). Deutschland ist bargeldfreundlicher als die Schweiz: In Bäckereien, Kiosken und kleinen Lokalen heisst es oft «nur Bargeld», Kartenzahlung geht aber fast überall ab CHF 10. Trinkgeld 5 bis 10 Prozent, beim Bezahlen aufrunden und den Betrag nennen. Anreise: Anreise mit Bahn (DB), Auto oder Flug, je nach Ziel 1 bis 8 Stunden.

Hotel-Empfehlungen

Neun Optionen in drei Preisklassen – jeweils die Häuser mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Budget

Five Elements Hostel Leipzig

Zentrum, Leipzig

Gut bewertetes Hostel direkt am Ring, fünf Minuten vom Hauptbahnhof und vom Markt. Schlafsäle und Privatzimmer, Gemeinschaftsküche, Bar. Für Solo-Reisende und alle, die Leipzig mit CHF 60 am Tag machen wollen.

ab CHF 30 / Nacht Ansehen →

Motel One Leipzig-Nikolaikirche

Zentrum, Leipzig

Design-Budgethotel am Nikolaikirchhof, mitten in der Innenstadt, Thomaskirche und Gewandhaus zu Fuss in fünf Minuten. Kleine, gute Zimmer, Bar in der Lobby. Das beste Preis-Lage-Verhältnis der Stadt.

ab CHF 75 / Nacht Ansehen →

a&o Leipzig Hauptbahnhof

Zentrum-Ost, Leipzig

Grosses Hostel-Hotel der a&o-Kette am Hauptbahnhof mit Doppel-, Familien- und Mehrbettzimmern. Nüchtern und sauber, die Innenstadt beginnt gegenüber. Für Familien und Gruppen mit kleinem Budget.

ab CHF 45 / Nacht Ansehen →

Mittelklasse

Hotel Fregehaus

Zentrum, Leipzig

Kleines Boutique-Hotel in einem Kaufmannshaus aus dem 16. Jahrhundert in der Katharinenstrasse, hinter dem Markt. Individuell eingerichtete Zimmer, Innenhof, gutes Frühstück. Für Paare, die lieber Charakter als Kette mögen.

ab CHF 110 / Nacht Ansehen →

Seaside Park Hotel Leipzig

Zentrum, Leipzig

Art-déco-Hotel in einem Gebäude von 1913 direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, mit Original-Treppenhaus und ruhigen Zimmern zum Hof. Solide Vier-Sterne-Mittelklasse, ideal für die Ankunft mit dem Zug am späten Abend.

ab CHF 95 / Nacht Ansehen →

Pentahotel Leipzig

Zentrum-Ost, Leipzig

Modernes Hotel der Penta-Gruppe an der Grossen Fleischergasse, am Rand der Innenstadt und nah am Hauptbahnhof. Grosse Zimmer, Lounge mit Bar und Billard, Fitness. Gutes Angebot für längere Aufenthalte.

ab CHF 95 / Nacht Ansehen →

Luxus

Steigenberger Grandhotel Handelshof Leipzig

Zentrum, Leipzig

Grandhotel im ehemaligen Messehaus Handelshof von 1909, hinter dem Alten Rathaus. Grosse, klassische Zimmer, Spa im Dach, Brasserie im Erdgeschoss. Das erste Haus der Stadt, mit Leipziger Preisen, die in Zürich Mittelklasse wären.

ab CHF 180 / Nacht Ansehen →

Hotel Fürstenhof Leipzig

Zentrum, Leipzig

Stadtpalais von 1770 am Tröndlinring, zwischen Hauptbahnhof und Thomaskirche, mit Pool unter Gewölben, grossem Garten und einem der besten Restaurants der Stadt. Ruhig und klassisch, für ein paar Tage mit Komfort.

ab CHF 190 / Nacht Ansehen →

INNSiDE by Meliá Leipzig

Zentrum, Leipzig

Modernes Hochhaushotel an der Gottschedstrasse, dem Ausgehviertel westlich des Rings, mit Bar und Restaurant im obersten Stock und Blick über die Stadt. Design statt Grandhotel, für alle, die abends nicht weit laufen wollen.

ab CHF 140 / Nacht Ansehen →

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Erlebnisse, die sich lohnen

Thomaskirche und Thomanerchor-Motette

Bachs Kirche mit seinem Grab, gratis, die Motette des Thomanerchors freitags 18 Uhr und samstags 15 Uhr für CHF 3. 45 Minuten Musik, eine Stunde früher kommen, in den Schulferien pausiert der Chor.

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Bach-Museum

Gegenüber der Thomaskirche im Bosehaus, mit Originalhandschriften, Instrumenten und einer Hörstation für jede Kantate. Eintritt CHF 10, 90 Minuten, Audioguide inklusive. Gut mit der Motette kombinieren.

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Völkerschlachtdenkmal

Der 91 Meter hohe Koloss von 1913, 500 Stufen bis zur Plattform, Krypta mit Steinriesen, Museum Forum 1813. Eintritt CHF 10, zwei Stunden, Strassenbahn 15 Minuten vom Zentrum, morgens am leersten.

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Stadtführung: Passagen, Nikolaikirche und 1989

Zwei Stunden durch die Messehöfe und Passagen, zu Auerbachs Keller, Nikolaikirche und dem Ring der Montagsdemonstrationen. CHF 12 bis 20 geführt, das Zeitgeschichtliche Forum zur DDR-Geschichte danach ist gratis.

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Gewandhaus-Konzert oder Opernabend

Das Gewandhausorchester im Saal von 1981 am Augustusplatz, Karten ab CHF 20 in den hinteren Reihen, grosse Konzerte CHF 50 bis 90. Die Oper gegenüber ab CHF 15. Direkt auf gewandhausorchester.de buchen, 2 bis 3 Stunden.

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Spinnerei und Plagwitz-Rundgang

Die alte Baumwollspinnerei mit Galerien der Neuen Leipziger Schule, gratis, Führungen über die Spinnerei selbst ab CHF 10. Danach Karl-Heine-Strasse und Kanal. Ein halber Tag, Dienstag bis Samstag haben die Galerien offen.

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Kanutour auf dem Karl-Heine-Kanal

Mit Kanu, Kajak oder Stand-up-Board vom Stadthafen durch den Industriekanal nach Plagwitz oder über die Weisse Elster in den Auwald, Verleih ab CHF 10 pro Stunde, geführt ab CHF 25. Zwei bis drei Stunden, Mai bis September.

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Neuseenland: Cospudener See

Gefluteter Tagebau 20 Minuten südlich mit Sandstrand, Aussichtsturm, Velorundweg von 11 Kilometern und Biergarten am Nordstrand. S-Bahn oder Velo, Baden gratis, Tretboot CHF 10 pro Stunde. Ein halber Tag im Sommer.

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Panorama Tower und Augustusplatz

Aussichtsplattform im 31. Stock des Universitätshochhauses für CHF 5, mit Blick über Oper, Gewandhaus, Innenstadt und Völkerschlachtdenkmal. 30 bis 45 Minuten, zum Sonnenuntergang am schönsten, Restaurant darunter teuer.

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Essen & Trinken

Leipzig ist eine Kaffeestadt mit Kaffeehäusern seit 1711, eine Bierstadt mit der eigenwilligen Gose und eine Stadt, die zwei berühmte Gerichte hat, die beide missverstanden werden: Allerlei und Lerche. Dazu kommt eine junge, günstige Küche in der Südvorstadt und in Plagwitz, in der du dich durch halb Asien essen kannst, ohne CHF 15 pro Teller zu überschreiten.

Leipziger Allerlei

Traditionslokale in der Innenstadt rund um den Markt und den Barfussgässchen

Im Original ein Frühlingsgericht aus jungem Gemüse, Spargel, Morcheln und Flusskrebsen in Krebsbutter mit Semmelklösschen, nichts mit dem Dosengemüse aus dem Supermarkt zu tun. CHF 16 bis 24, am besten im Mai und Juni.

Tipp:Frag, ob Krebse drin sind. Ohne Krebse ist es Beilage, mit Krebsen das Gericht.

Leipziger Lerche

Konditoreien in der Innenstadt, etwa im Umfeld des Marktes und der Grimmaischen Strasse

Mürbeteigtörtchen mit Marzipan, Mandeln und einem Klecks Konfitüre, zwei Teigstreifen obendrauf. Erfunden, als das Backen echter Lerchen 1876 verboten wurde. CHF 2.50 bis 3.50.

Tipp:Zum Kaffee, nicht zum Bier, und lieber zwei kleine als eine grosse.

Gose

Gosenschenke Ohne Bedenken in Gohlis, Bayerischer Bahnhof am Südrand der Innenstadt

Obergäriges Sauerbier mit Salz und Koriander, ursprünglich aus Goslar, seit dem 18. Jahrhundert Leipzigs Bier. Erfrischend, säuerlich, gewöhnungsbedürftig, CHF 4 bis 5 pro Glas, mit Kümmelschnaps oder Sirup als «Regenschirm».

Tipp:Erst pur probieren, dann mit Sirup. Die Gosenschenke hat den schönsten Biergarten der Stadt.

Sächsische Kartoffelsuppe

Gaststätten in der Südvorstadt und auf dem Weihnachtsmarkt

Deftige Suppe mit Kartoffeln, Wurzelgemüse, Majoran und Würstchen oder Speck, das sächsische Alltagsgericht für den Winter. CHF 6 bis 9 als Vorspeise oder kleines Hauptgericht.

Tipp:Auf dem Weihnachtsmarkt die beste Wahl neben Glühwein, sättigt und kostet wenig.

Kaffee und Kuchen im alten Kaffeehaus

Zum Arabischen Coffe Baum, Kleine Fleischergasse, oder Café Riquet, Schuhmachergässchen

Leipzig hat Kaffeehaustradition seit 1711, Bach schrieb hier seine Kaffeekantate. Kaffee und Kuchen CHF 7 bis 10, im Coffe Baum mit Kaffeemuseum im Obergeschoss. Die Konditoreien in der Südvorstadt machen es für die Hälfte.

Tipp:Nachmittags um 15 Uhr ist Kaffeezeit, dann sind beide voll, um 11 Uhr nicht.

Vietnamesisch und Döner auf der Eisenbahnstrasse

Eisenbahnstrasse, Leipzig-Volkmarsdorf, tagsüber

Die Eisenbahnstrasse im Osten gilt als schwieriges Pflaster und hat das günstigste und ehrlichste Essen der Stadt: Pho, Bánh mì, Döner, syrisches Gebäck für CHF 5 bis 10.

Tipp:Tagsüber hingehen, Bargeld mitnehmen, Mittagsmenüs ab CHF 8.

Bauernbrot und Käse vom Wochenmarkt

Wochenmarkt auf dem Markt, Dienstag und Freitag 9 bis 17 Uhr

Der Markt vor dem Alten Rathaus hat dienstags und freitags Stände mit Brot, Käse aus dem Erzgebirge, Wurst und Obst aus dem Umland, ein Picknick für zwei kostet CHF 12 bis 15.

Tipp:Für den Nachmittag am Cospudener See einkaufen, dort ist die Auswahl klein und teuer.

Food-Tour buchen: Leipzig

Mit Guide durch Märkte und Lokale, inklusive Kostproben.

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Geschichte & Hintergrund

Leipzig lag an der Kreuzung zweier alter Handelsstrassen, der Via Regia und der Via Imperii, und wurde deshalb schon 1165 Marktstadt. Die Messen, ab 1497 mit kaiserlichem Privileg, machten sie zum Handelsplatz zwischen Ost und West, die Passagen und Messehöfe in der Innenstadt sind das steinerne Erbe davon. 1409 wurde die Universität gegründet, eine der ältesten im deutschen Sprachraum, Goethe, Leibniz und Nietzsche studierten hier. 1723 trat Johann Sebastian Bach seine Stelle als Thomaskantor an, 27 Jahre lang schrieb er in Leipzig die Matthäuspassion, das Weihnachtsoratorium und Hunderte Kantaten, die der Thomanerchor bis heute singt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Leipzig zur Stadt der Bücher und der Musik: Verlage wie Brockhaus und Reclam, das Gewandhausorchester mit Mendelssohn als Kapellmeister, Schumann und Wagner, der hier geboren wurde. 1813 schlugen die verbündeten Armeen Russlands, Preussens, Österreichs und Schwedens in der Völkerschlacht bei Leipzig Napoleon, mit über 600'000 Soldaten die grösste Schlacht vor dem 20. Jahrhundert, das Denkmal dazu wurde hundert Jahre später eingeweiht. Die Industrialisierung brachte Baumwollspinnerei und Maschinenbau nach Plagwitz, der Hauptbahnhof von 1915 war der grösste Kopfbahnhof Europas. Der Zweite Weltkrieg zerstörte ein Drittel der Stadt, die DDR sprengte die Universitätskirche und baute die Messe weiter. Im Herbst 1989 gingen von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche die Montagsdemonstrationen aus, am 9. Oktober zogen 70'000 Menschen friedlich um den Ring, und die Mauer fiel einen Monat später. Nach 1990 verlor Leipzig 100'000 Einwohner, seit 2010 wächst es wieder schneller als jede andere deutsche Grossstadt.

Insider-Tipps

Anreise: ICE ab Frankfurt in gut drei Stunden

Leipzig ist für Schweizer besser angebunden, als man denkt: Ab Basel oder Zürich fährst du nach Frankfurt, und von dort braucht der ICE über Erfurt nur gut drei Stunden nach Leipzig, insgesamt 6 bis 7 Stunden mit einem Umstieg. Ab Berlin sind es 75 Minuten. Sparpreise der Deutschen Bahn kosten ab rund CHF 55 pro Strecke, wenn du sechs bis acht Wochen vorher buchst, der Normalpreis liegt bei CHF 130 und mehr. Es gibt auch Nachtzüge aus Zürich nach Berlin, die über Leipzig fahren, früh am Morgen ankommen und dir eine Hotelnacht sparen. Mit dem Auto sind es ab Zürich rund 700 Kilometer über Nürnberg und die A9, etwa 7 Stunden, keine Maut, Benzinkosten rund CHF 160 pro Fahrt. Vor Ort hilft es dir nicht: Die Innenstadt innerhalb des Rings gehst du in 15 Minuten zu Fuss ab, die Strassenbahn der LVB fährt in alle Quartiere, Tagesticket rund CHF 9, Einzelfahrt CHF 3.20. Für Plagwitz, Südvorstadt und das Neuseenland ist das Velo das beste Verkehrsmittel, Leipzig ist flach, Leihvelos stehen an jeder Ecke ab CHF 1 pro halbe Stunde. Der Flughafen Leipzig/Halle hat keinen direkten Flug ab der Schweiz, vergiss ihn.

Wohnen: Zentrum, Südvorstadt oder Plagwitz

Das Zentrum innerhalb des Rings ist klein, und die Hotels dort liegen fünf Minuten von allem, vom Hauptbahnhof bis zur Thomaskirche. Rechne mit CHF 85 bis 120 für ein Mittelklasse-Doppelzimmer, Budget-Ketten am Hauptbahnhof ab CHF 55, und das sind Preise, für die du in Zürich ein Hostelbett bekommst. Wer abends ausgehen will, wohnt in der Südvorstadt an der Karl-Liebknecht-Strasse, der «Karli», mit Kneipen, Clubs und Cafés auf zwei Kilometern Länge, oder gleich in Plagwitz und Lindenau im Westen, wo die Spinnerei, der Karl-Heine-Kanal und die alternativen Lokale der Karl-Heine-Strasse sind. Dort gibt es weniger Hotels, dafür Pensionen und kleine Häuser. Preisfallen: die Buchmesse im März, das Wave-Gotik-Treffen an Pfingsten, das Bachfest im Juni und die grossen Messen auf dem Neuen Messegelände, dann steigen die Preise auf das Doppelte und die Stadt ist ausgebucht. Zum Weihnachtsmarkt im Advent wird es voll, aber nicht unbezahlbar. Das übrige Jahr kannst du Leipzig auch kurzfristig buchen, das ist einer der Vorteile dieser Stadt.

Kostenfallen und Spartricks: Musik fast gratis, Museen günstig

Leipzig ist eine der wenigen Städte, in denen Weltklasse-Musik kaum etwas kostet. Die Motette des Thomanerchors in der Thomaskirche am Freitag um 18 Uhr und am Samstag um 15 Uhr kostet CHF 3 Eintritt, 45 Minuten Bach am Ort, für den er geschrieben hat, komm 30 Minuten früher. Im Gewandhaus gibt es Konzerte des Gewandhausorchesters ab CHF 20 in den hinteren Reihen, Studentenkarten noch günstiger, die Oper gegenüber ab CHF 15. Das Bach-Museum neben der Thomaskirche kostet CHF 10, das Museum der bildenden Künste CHF 10, das Zeitgeschichtliche Forum zur DDR und dem Herbst 1989 ist gratis, die Nikolaikirche ebenfalls. Das Völkerschlachtdenkmal kostet CHF 10 inklusive Aufstieg und Museum, die Leipzig Card für einen Tag rund CHF 14 inklusive Nahverkehr lohnt sich erst ab zwei Museen. Essen ist günstig: Mittagsmenü CHF 9 bis 13, Hauptgericht abends CHF 12 bis 18, Bier CHF 4, Kaffee CHF 3. Die Kostenfalle sind die Lokale in den Innenstadt-Passagen mit Touristen-Aufschlag, zwei Strassen weiter in der Südvorstadt zahlst du ein Drittel weniger. Ein Auerbachs-Keller-Besuch ist Geschichte, nicht Küche, das Bier dort ist fair, das Essen teuer.

Timing: Bachfest, Sommer im Neuseenland, Lichtfest im Oktober

Das Bachfest in der zweiten Junihälfte ist der Grund, warum Musikfreunde aus der ganzen Welt kommen, zehn Tage mit über hundert Konzerten in den Originalkirchen, Karten ab CHF 15, die grossen Passionen und das Weihnachtsoratorium früh buchen. Der Sommer von Juni bis August gehört den Seen: Das Neuseenland südlich der Stadt, geflutete Braunkohlegruben, bietet Strand, Baden und Segeln 20 Minuten mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof, Cospudener See mit Strand und Biergarten, Kulkwitzer See zum Tauchen. Der 9. Oktober ist der wichtigste Tag der Stadt: Beim Lichtfest erinnern Zehntausende mit Kerzen auf dem Ring an die Montagsdemonstration von 1989, kostenlos und bewegend. Der Weihnachtsmarkt auf dem Markt vor dem Alten Rathaus ist einer der grossen in Deutschland, weniger überlaufen als der Dresdner Striezelmarkt. Die Buchmesse im März bringt die Stadt zum Lesen, mit «Leipzig liest» und Tausenden Lesungen überall, aber auch zu vollen Hotels. Januar und Februar sind kalt, grau und billig, dafür hat die Stadt Thomaskirche, Gewandhaus und Museen, Leipzig ist ein gutes Winterziel.

Unterschätzt: Spinnerei, Plagwitz, Karl-Heine-Kanal und Gohlis

Die Baumwollspinnerei in Plagwitz war einmal die grösste in Kontinentaleuropa, heute arbeiten in den Backsteinhallen über hundert Künstler, darunter Neo Rauch und die Neue Leipziger Schule, mit einem Dutzend Galerien, die gratis zu besuchen sind, Rundgänge zu den Eröffnungen im Frühling und Herbst. Von dort läufst du am Karl-Heine-Kanal entlang, einem Industriekanal des 19. Jahrhunderts, den du mit dem Kanu oder Stand-up-Board befahren kannst, Verleih ab CHF 10 pro Stunde am Stadthafen, bis in die Innenstadt. Plagwitz selbst hat die Karl-Heine-Strasse mit Bars und Restaurants, das Westwerk, Kleingärten und den Westbad-Komplex. Die Kleingärten sind eine Leipziger Erfindung, Dr. Schreber war Leipziger Arzt, und im Kleingärtnermuseum in Lindenau erfährst du, warum. Im Norden liegt Gohlis mit dem Schillerhaus und dem Gohliser Schlösschen, in der Südvorstadt der Clara-Zetkin-Park mit dem Musikpavillon und Biergärten. Der Panorama Tower am Augustusplatz, das ehemalige Universitätshochhaus, kostet CHF 5 für die Aussicht aus dem 31. Stock, das Café darunter ist für Leipzig teuer, aber die Aussicht gibt es auch von der Plattform ohne Kaffee.

Essen: Leipziger Allerlei, Lerche und die Karli am Abend

Leipzigs Küche hat zwei berühmte Namen, und beide sind nicht das, was man denkt. Das Leipziger Allerlei ist im Original kein Dosengemüse, sondern ein Frühlingsgericht aus Spargel, Erbsen, Karotten, Morcheln und Flusskrebsen in Krebsbutter, mit Semmelklösschen, CHF 16 bis 24 in den Traditionslokalen, ab Mai in gut. Die Leipziger Lerche ist ein Mürbeteigtörtchen mit Marzipan und Konfitüre, benannt nach den Singvögeln, die bis 1876 tatsächlich darin gebacken wurden, CHF 2.50 bis 3.50 in jeder Konditorei. Dazu kommt die Gose, ein obergäriges, salziges Sauerbier mit Koriander, das es fast nur hier gibt, CHF 4 bis 5. Mittags isst du in der Innenstadt in den Passagen oder bei den Vietnamesen und Türken rund um den Hauptbahnhof, abends auf der Karli in der Südvorstadt, wo Burger, Ramen, Pizza und sächsische Küche für CHF 10 bis 16 nebeneinanderstehen, oder in Plagwitz an der Karl-Heine-Strasse. Kaffeehaus mit Tradition ist das Café Riquet mit den Elefantenköpfen am Eingang und Zum Arabischen Coffe Baum, eines der ältesten Kaffeehäuser Europas, mit Museum im Obergeschoss. Die Leipziger Wochenmärkte am Dienstag und Freitag auf dem Markt sind günstig und gut für das Picknick am See.

Häufige Fragen zu Leipzig

Wie komme ich ab der Schweiz nach Leipzig und brauche ich ein Auto?

Mit dem ICE über Frankfurt in 6 bis 7 Stunden ab Basel oder Zürich, ein Umstieg, Sparpreis ab rund CHF 55 pro Strecke bei früher Buchung, sonst CHF 100 bis 130. Nachtzüge nach Berlin halten in Leipzig. Mit dem Auto rund 700 Kilometer über Nürnberg, etwa 7 Stunden, ohne Maut. Vor Ort ist das Auto überflüssig, die Innenstadt ist Fussgängerzone, Strassenbahn und Velo bringen dich überallhin, Parken in der City kostet CHF 15 bis 20 pro Tag.

Wie viele Tage braucht man für Leipzig?

Zwei volle Tage reichen für Innenstadt, Thomaskirche, Nikolaikirche, Völkerschlachtdenkmal und einen Abend in der Südvorstadt. Mit Spinnerei, Plagwitz, Kanal und einem Nachmittag am Cospudener See sind es drei. Wer das Bachfest oder die Buchmesse besucht, bleibt länger. Leipzig ist zudem ein guter Stopp auf dem Weg nach Berlin oder Dresden, das in 70 Minuten mit dem Regionalzug erreichbar ist.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai bis September, mit dem Bachfest im Juni als Höhepunkt für Musikfreunde und den Seen im Hochsommer. Der 9. Oktober mit dem Lichtfest ist ein besonderer Termin. Der Advent ist stimmungsvoll und weniger überlaufen als in Dresden. Buchmesse im März, Pfingsten mit dem Wave-Gotik-Treffen und Messewochen sind teuer, wenn du nicht deswegen kommst. Winter ist günstig und mit Gewandhaus und Thomaskirche gut gefüllt.

Ist Leipzig wirklich so günstig?

Ja, es ist die günstigste deutsche Grossstadt dieser Grösse. Mittelklasse-Doppelzimmer CHF 85 bis 120, Hauptgericht CHF 12 bis 18, Bier CHF 4, Kaffee CHF 3, Nahverkehr CHF 9 pro Tag, Thomanermotette CHF 3, Gewandhaus ab CHF 20. Mit CHF 80 bis 100 pro Tag und Person ohne Anreise lebst du gut, mit CHF 60 kommst du durch. Nur in Messewochen und zur Buchmesse gelten andere Regeln.

Wie höre ich Bach in Leipzig am besten?

Die Motette des Thomanerchors in der Thomaskirche, freitags 18 Uhr und samstags 15 Uhr ausser in den Schulferien, CHF 3, Einlass eine Stunde vorher, komm früh, die Kirche ist voll. Sonntags singt der Chor im Gottesdienst um 9.30 Uhr gratis. Bachs Grab liegt im Chorraum der Thomaskirche. Das Bach-Museum gegenüber kostet CHF 10 und ist in 90 Minuten gut zu schaffen. Das Bachfest im Juni bringt die Passionen in die Originalkirchen, Karten ab CHF 15 bis CHF 120.

Lohnt sich das Völkerschlachtdenkmal?

Ja, auch wenn es ein Koloss aus wilhelminischem Pathos ist, 91 Meter hoch, mit 500 Stufen bis zur Aussichtsplattform und einer Krypta mit steinernen Riesen. Eintritt CHF 10 inklusive Forum 1813, Aufstieg teils in engen Wendeltreppen, oben der Blick über die Stadt bis zum Neuseenland. Mit der Strassenbahn 15 Minuten vom Zentrum, zwei Stunden einplanen, am besten morgens, bevor die Gruppen kommen.

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