Geschichte & Hintergrund
Gstaad war bis ins 20. Jahrhundert ein Weiler der Gemeinde Saanen, und Saanen ist bis heute der politische Hauptort, mit der Kirche St. Mauritius von 1444 und den geschnitzten Holzhäusern, die das Saanenland prägen. Die Region gehörte im Mittelalter den Grafen von Greyerz und kam 1555 nach deren Konkurs an Bern, weshalb das Saanenland zwar bernisch spricht, aber kulturell zwischen Oberland und Welschland liegt; die Nachbarorte Rougemont und Château-d'Oex sind französischsprachig. Die Saaner lebten vom Käse: Der Saanenkäse, hart und jahrelang gelagert, wurde über die Pässe nach Italien gehandelt, und noch heute reifen im Molkerei-Keller in Gstaad Laibe, die älter als zehn Jahre sind. Alles änderte sich 1905, als die Montreux-Berner Oberland-Bahn den Ort erreichte und die Engländer aus Montreux den Weg in die Berge fanden. 1913 eröffnete das Gstaad Palace auf dem Hügel über dem Dorf, ein Märchenschloss mit Türmen, das bis heute im Besitz der Familie Scherz ist. Internate wie das Institut Le Rosey, das seit 1916 im Winter von Rolle nach Gstaad zieht, brachten die Kinder der reichen Familien, die später selber kamen: Julie Andrews, Elizabeth Taylor, Roger Moore, Bernie Ecclestone. Yehudi Menuhin gründete 1957 das Festival, das heute Gstaad Menuhin Festival heisst und jeden Sommer sieben Wochen klassische Musik in die Kirchen und ein Zelt bringt. Seit 1915 spielt das Tennisturnier, seit 1997 gibt es das Beachvolleyball-Turnier auf 1'050 Metern. 1999 eröffnete die Seilbahn Glacier 3000 nach Plänen von Mario Botta auf den Scex Rouge über dem Col du Pillon. Gstaad hat rund 3'000 Einwohner, Saanen als Gemeinde 7'000, und das Chaletreglement von 1950 verbietet bis heute Bauten, die nicht wie ein Chalet aussehen, auch dem Palace-Nachbarn.