Sendai & Matsushima

Japan · Tōhoku · Reiseguide

Sendai & Matsushima

Was ein paar Tage in der Millionenstadt des Nordens wirklich kosten, warum du hier Rinderzunge isst und wie du die 260 Inseln von Matsushima ohne Reisegruppe siehst.

Foto: Mateusz Walendzik / Pexels

Was kostet deine Reise nach Sendai & Matsushima?

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3'255 CHF
≈ 1'628 CHF pro Person
  • Flüge 2'100 CHF
  • Unterkunft 425 CHF
  • Essen 400 CHF
  • Transport vor Ort 60 CHF
  • Shinkansen ab Tokio (hin und zurück) 270 CHF

Schätzwerte zur Orientierung, keine Buchungspreise. Flüge & Hotels schwanken saisonal stark – aktuelle Preise findest du über die Links weiter unten.

Geld & Bezahlen: Bezahlt wird in Yen (JPY). 1'000 Yen sind ungefähr CHF 6. Kartenzahlung funktioniert in Städten und Hotels, kleine Lokale, Tempel und Landbahnhöfe wollen oft Bargeld. Die IC-Karte (Suica oder ICOCA) auf dem Handy zahlt Bahn, Bus und Konbini. Flugzeit: 12 bis 14 Stunden, meist mit einem Umstieg.

Hotel-Empfehlungen

Neun Optionen in drei Preisklassen – jeweils die Häuser mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Budget

Dormy Inn Sendai Ekimae

Chuo, Sendai

Zwei Minuten vom Westausgang des Bahnhofs, kleine Zimmer, dafür ein Onsen-Bad im obersten Stock, Sauna und die bekannten Gratis-Ramen am späten Abend. Für den Preis in Sendai kaum zu schlagen.

ab CHF 60 / Nacht Ansehen →

Toyoko Inn Sendai Nishi-guchi Hirose-dori

Hirose-dori, Sendai

Standard-Businesshotel der Kette: saubere Doppelzimmer ab 14 Quadratmetern, einfaches Frühstück inklusive, fünf Gehminuten zu den Arkaden und nach Kokubuncho. Kein Charme, aber verlässlich und günstig.

ab CHF 50 / Nacht Ansehen →

Super Hotel Sendai Hirose-dori

Hirose-dori, Sendai

Günstige Kette mit festen Betten, Kissenauswahl und Frühstücksbuffet im Preis. Liegt an der U-Bahn-Station Hirose-dori, ruhig genug zum Schlafen, nah genug an den Gyutan-Lokalen.

ab CHF 55 / Nacht Ansehen →

Mittelklasse

Daiwa Roynet Hotel Sendai

Chuo, Sendai

Grössere Zimmer als bei den Budget-Ketten, gute Betten, Bügelstation, fünf Minuten zum Bahnhof und an der Arkade Clis Road. Die solide Wahl, wenn du drei Nächte bleibst und etwas Platz willst.

ab CHF 90 / Nacht Ansehen →

Mitsui Garden Hotel Sendai

Honcho, Sendai

Ruhig im Geschäftsviertel bei der Jozenji-dori, mit grossem Gemeinschaftsbad im obersten Stock und sehr gutem Frühstück. Zehn Gehminuten vom Bahnhof, dafür mitten im Zelkoven-Boulevard und nahe Kokubuncho.

ab CHF 100 / Nacht Ansehen →

Richmond Hotel Premier Sendai Ekimae

Chuo, Sendai

Direkt gegenüber dem Bahnhof, Zimmer mit 20 Quadratmetern und mehr, gedämpfte Farben, gutes Frühstück mit Zunda-Mochi. Oft das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter den Bahnhofshotels.

ab CHF 105 / Nacht Ansehen →

Luxus

The Westin Sendai

Ichibancho, Sendai

Das höchste Hotel der Stadt in den Stockwerken 25 bis 36 des Trust Tower, mit Blick über die Stadt bis zum Pazifik. Grosse Zimmer, Club-Lounge, exzellentes Frühstück. Für internationale Hotelstandards die erste Adresse Sendais.

ab CHF 220 / Nacht Ansehen →

Hotel Metropolitan Sendai

Bahnhof, Sendai

Das JR-Hotel direkt am Westausgang: klassisch, mit zwei Gebäuden (das neuere «East» ist moderner), mehreren Restaurants und dem Vorteil, mit dem Koffer in drei Minuten im Shinkansen zu sitzen. Ideal für eine Rundreise durch Tohoku.

ab CHF 170 / Nacht Ansehen →

Matsushima Ichinobo

Takagi, Matsushima

Grosses Resort-Ryokan oberhalb der Bucht mit Panorama-Onsen und einem Wasserbecken auf der Terrasse, das die Inseln spiegelt. Kaiseki mit Austern und Fisch aus Sanriku, Zimmer mit Bucht-Blick. Eine Nacht hier ist der Grund, nach Matsushima zu fahren.

ab CHF 320 / Nacht Ansehen →

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Erlebnisse, die sich lohnen

Bootsfahrt durch die Matsushima-Bucht

Die Rundfahrt ab Matsushima-Hafen dauert 50 Minuten und führt an den bekanntesten Kiefern-Inseln vorbei, 1'500 Yen (CHF 9). Nimm das Standard-Deck, der Aufpreis fürs Oberdeck bringt nichts. Abfahrten stündlich, am Vormittag ist das Licht besser.

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Zuihoden: Mausoleum des Date Masamune

Das lackschwarz-goldene Grabmal des Stadtgründers im Zedernwald, 1979 originalgetreu neu gebaut, mit kleinem Museum zu den Funden aus dem Grab. Eintritt 570 Yen (CHF 3.50), mit dem Loople-Bus erreichbar, im Herbst in rotem Ahorn.

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Burgruine Aoba und Masamune-Reiterstatue

Von der Burg steht nur noch die Mauer, aber der Hügel gibt den besten Blick über Sendai bis zum Meer, und die Reiterstatue des «einäugigen Drachen» ist das Wahrzeichen der Stadt. Gratis, Museum daneben 700 Yen, am späten Nachmittag am schönsten.

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Zuiganji-Tempel und Entsuin in Matsushima

Der wichtigste Zen-Tempel Tohokus mit goldenen Schiebetüren und Felshöhlen am Zugangsweg, Eintritt 700 Yen. Der Nachbartempel Entsuin hat einen Moosgarten und im November eine Herbstlaub-Beleuchtung, die den Abend in Matsushima rettet.

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Tagesausflug Yamadera

1'015 Stufen durch den Zedernwald zum Bergtempel Risshaku-ji, oben die Aussichtshalle über dem Tal. Ab Sendai eine Stunde mit der Senzan-Linie, Eintritt 300 Yen, gute Schuhe und drei Stunden Zeit einplanen.

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Gyutan-Kochkurs oder Izakaya-Tour in Kokubuncho

Kokubuncho ist das grösste Ausgehviertel des Nordens, mit Hunderten Izakaya in engen Gassen. Eine geführte Tour (CHF 60 bis 90 mit Essen und Getränken) bringt dich in Lokale, die du allein nicht findest; alternativ einfach in ein Gyutan-Lokal mit Theke setzen.

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Tanabata Matsuri (6. bis 8. August)

Drei Tage hängen die Einkaufsarkaden voller meterlanger Papierdekorationen, am Vorabend gibt es ein Feuerwerk am Fluss. Gratis, aber die Hotels sind Monate vorher ausgebucht und doppelt so teuer. Wer kommt, bucht im Januar.

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Nikka-Whisky-Destillerie Miyagikyo

Die zweite Destillerie von Nikka liegt in einem Tal 40 Minuten westlich von Sendai, Führung mit Degustation gratis (vorher online reservieren), die Bar danach verkauft Abfüllungen, die es nur hier gibt. Mit dem Zug der Senzan-Linie bis Sakunami, dann Shuttlebus.

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Tsunami-Gedenkstätte Arahama

Die erhaltene Grundschule an der Küste zeigt mit Fotos und Markierungen, wie hoch das Wasser 2011 stand. Gratis, respektvoll gemacht, etwa zwei Stunden mit Anfahrt (U-Bahn bis Arai, dann Bus). Kein Vergnügen, aber ein Teil dieser Region.

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Essen & Trinken

Sendai isst deftig und selbstbewusst: Rinderzunge vom Holzkohlegrill, grüne Sojabohnenpaste auf Reiskuchen, Austern aus der Bucht und Sasa-Kamaboko, der gegrillte Fischkuchen in Bambusblattform. Dazu kommt Sake aus Miyagi, einer der besten Reiswein-Präfekturen Japans.

Gyutan (gegrillte Rinderzunge)

Aji Tasuke (das Original seit 1948) in Ichibancho oder die Kette Rikyu

Dicke Scheiben Rinderzunge, gesalzen, über Holzkohle gegrillt, mit Gerstenreis, Ochsenschwanzsuppe und Pickles als Set. Zart mit Biss, rauchig, nicht nach Innerei. Set CHF 12 bis 20.

Tipp:Am Bahnhof in der «Gyutan-dori» im dritten Stock gibt es vier Lokale nebeneinander, die Schlangen sind um 11.30 Uhr am kürzesten.

Zunda-Mochi

Zunda Saryo am Bahnhof Sendai (Zunda-Shake) oder Murakamiya Mochiten in Kitame-machi

Pürierte grüne Edamame mit Zucker auf weichem Reiskuchen, leicht salzig-süss und knallgrün. Das Dessert der Region, auch als Shake (CHF 3) oder auf Softeis.

Tipp:Den Zunda-Shake gibt es direkt im Bahnhof, perfekt vor dem Shinkansen.

Matsushima-Austern (Kaki)

Hafenpromenade von Matsushima-Kaigan und die Austernhütten bei Shiogama

Von Oktober bis März kommen die Austern aus der Bucht: roh, gegrillt oder als Kaki-Fry paniert. Klein, dicht und süsslich. Ein Teller Kaki-Fry CHF 8 bis 12, die Austernhütten mit Zeitlimit CHF 20 bis 25.

Tipp:Ausserhalb der Saison gibt es Austern aus der Tiefkühlung, dann lieber Anago (Seeaal) aus Shiogama nehmen.

Sasa-Kamaboko

Abe Kamaboko-ten in der Arkade Chuo-dori (Grill zum Selbermachen) oder Kanezaki

Fischkuchen aus weissem Fisch, in Form eines Bambusblatts gegrillt, mild und leicht elastisch. Als Snack warm für CHF 1.50 das Stück, als Geschenkbox ab CHF 8.

Tipp:Bei Abe kannst du dein Kamaboko für 300 Yen selbst über der Flamme grillen.

Sushi in Shiogama

Shiogama Fischmarkt (Shiogama Suisanbutsu Nakaoroshi Ichiba) und die Sushi-Lokale um den Bahnhof Hon-Shiogama

Shiogama hat angeblich die höchste Sushi-Dichte Japans, direkt am Fischhafen, mit Thunfisch aus dem Pazifik. Ein Mittags-Set mit zehn Stück kostet CHF 15 bis 25, in Tokio zahlst du das Doppelte.

Tipp:Auf dem Markt kaufst du Sashimi-Stücke und stellst dir für 300 Yen eine eigene Reisschale zusammen.

Seri-Nabe

Izakaya in Kokubuncho, zum Beispiel Sendai Seri Nabe Izakaya am Hirose-dori

Wintereintopf mit Seri, einer Wasserpetersilie, die hier mitsamt Wurzel gegessen wird, in Enten- oder Hühnerbrühe. Knackig, bitter-frisch, nur von November bis März. Portion CHF 15 bis 20.

Tipp:Die Wurzeln sind das Beste, nicht rauspicken.

Hiyashi Chuka (kalte Ramen)

Ryutei in Ichibancho, das Lokal, das die Erfindung für sich beansprucht

Kalte Nudeln mit Gurke, Ei, Schinken und Essig-Soja-Sauce, in Sendai angeblich 1937 erfunden. Im Sommer die Rettung bei 30 Grad, CHF 6 bis 9.

Tipp:Im Juli und August steht Hiyashi Chuka auf jeder Ramen-Karte, bestell es am Automaten mit dem blauen Knopf.

Sake aus Miyagi

Brauerei Urakasumi in Shiogama (Shop mit Degustation) oder die Sake-Bar im Bahnhof Sendai

Trocken, klar, zum Fisch gemacht: Urakasumi aus Shiogama, Ichinokura, Hakurakusei. Im Izakaya kostet ein Glas CHF 3 bis 5, die Degustation in der Brauerei 300 bis 500 Yen.

Tipp:Bestell «jizake», dann bekommst du den lokalen Sake statt der Grossmarke.

Food-Tour buchen: Sendai & Matsushima

Mit Guide durch Märkte und Lokale, inklusive Kostproben.

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Geschichte & Hintergrund

Sendai ist eine junge Stadt für japanische Verhältnisse. 1600 schlug sich der Fürst Date Masamune in der Schlacht von Sekigahara auf die Seite der Tokugawa und bekam dafür ein Lehen im Nordosten. 1601 liess er auf dem Hügel Aoba eine Burg bauen und darunter eine Stadt anlegen, mit breiten Strassen und Zelkoven, die ihr bis heute den Beinamen «Stadt der Bäume» geben. Masamune, wegen seines verlorenen rechten Auges der «einäugige Drache» genannt, war ein Krieger, aber auch ein Mann mit Weitblick: 1613 schickte er eine eigene Gesandtschaft über den Pazifik nach Mexiko, Spanien und Rom, Jahrzehnte bevor sich Japan abschottete. Sein Mausoleum Zuihoden, lackschwarz und goldverziert, steht heute noch im Zedernwald über dem Fluss Hirose. Die Burg selbst ist weg, 1945 brannte beim Luftangriff fast die ganze Innenstadt ab. Sendai wurde als Wirtschaftszentrum des Nordens neu aufgebaut, mit der Tohoku-Universität und breiten Boulevards. Der 11. März 2011 bleibt die tiefste Zäsur: Das Erdbeben der Stärke 9,0 lag vor der Küste von Miyagi, der Tsunami traf die Küstenbezirke Sendais und zerstörte den Flughafen. Die Stadt hat sich erholt, am Küstenstreifen Arahama erinnert eine erhaltene Schulruine an den Tag. Matsushima, 30 Minuten nordöstlich, blieb dank der vorgelagerten Inseln fast verschont. Die Bucht mit ihren rund 260 Kiefern-Inseln gehört seit dem 17. Jahrhundert zu den «drei schönsten Landschaften Japans», und der Dichter Basho stand hier 1689 angeblich wortlos vor Staunen.

Insider-Tipps

Anreise: Shinkansen ab Tokio und die Loople-Bus-Karte

Von der Schweiz fliegst du nach Tokio Haneda oder Narita; der Flughafen Sendai hat nur asiatische Verbindungen, mit Umstieg in Seoul oder Taipeh kommst du aber auch direkt hin. Ab Tokio bringt dich der Tohoku-Shinkansen (Hayabusa) in rund 90 Minuten nach Sendai, ein Einzelticket mit Platzreservierung kostet etwa 11'400 Yen, also CHF 68 pro Richtung. Wer weiter nach Aomori, Yamagata oder Akita will, nimmt den JR East Tohoku Area Pass: fünf Tage für 30'000 Yen (CHF 180), gilt auch für Matsushima und Yamadera und rechnet sich schon ab Tokio, Sendai und zurück plus einem Ausflug. In der Stadt reichen die Suica auf dem Handy und der Loople-Sendai-Bus: eine Rundlinie zu Zuihoden, Burgruine und Museum, Tageskarte 630 Yen (CHF 4). Die U-Bahn (zwei Linien) brauchst du kaum, das Zentrum zwischen Bahnhof und Kotodai-Park läuft sich in 20 Minuten ab. Ein Tag Verkehr kostet dich realistisch CHF 10 bis 15.

Wohnen: Bahnhof statt Bucht, mit einer Ausnahme

Sendai ist eine Businesshotel-Stadt, und das ist gut für dich: Rund um den Bahnhof findest du Dormy Inn, Toyoko Inn, Daiwa Roynet und Richmond für CHF 55 bis 110 pro Doppelzimmer, oft mit Onsen-Bad im Haus und Frühstück. Nimm die Westseite (Nishi-guchi), da liegen die Arkaden, die Izakaya-Gassen von Kokubuncho und die Gyutan-Lokale fussläufig. Ein Ryokan in der Stadt lohnt sich nicht. Anders in Matsushima: Eine Nacht in einem Ryokan mit Blick auf die Bucht, Kaiseki-Abendessen und Bad kostet CHF 250 bis 400 für zwei Personen und ist das Erlebnis, das du von Tohoku behalten wirst. Rechne es ehrlich: Das Abendessen allein wäre im Restaurant CHF 60 bis 80 pro Person. Unser Vorschlag für vier Nächte: drei im Businesshotel in Sendai, eine in Matsushima, und für Matsushima früh buchen, besonders an Wochenenden und im Herbst.

Kosten-Fallen: Matsushima-Boote, Tanabata und das Abendessen

Die grosse Falle in Matsushima sind die Bootsfahrten: Die Standard-Rundfahrt (50 Minuten) kostet 1'500 Yen (CHF 9), am Schalter wird dir aber gern das Oberdeck «Green Seat» für 600 Yen Aufpreis angedreht. Du siehst unten dasselbe. Die kleinen Privatboote für CHF 60 und mehr brauchst du nicht. Der zweite Posten sind Austern: In der Saison (Oktober bis März) kostet ein Teller frittierter Kaki-Fry CHF 8 bis 12, die «All you can eat»-Austernhütten verlangen CHF 20 bis 25 für 45 Minuten, nur sinnvoll, wenn du wirklich viel isst. Während Tanabata (6. bis 8. August) verdoppeln sich die Hotelpreise in Sendai und Zimmer sind Monate vorher weg; wer das Fest nicht gezielt will, kommt eine Woche später. Und: Gyutan-Restaurants am Bahnhof im dritten Stock («Gyutan-dori») sind gut, aber mit Schlange und CHF 15 bis 20 pro Set, die Filialen in Kokubuncho sind gleich gut und oft leerer.

Timing: Tanabata im August, Momiji im November, Winter mit Lichtern

Sendai hat vier klare Jahreszeiten, und keine ist falsch. Kirschblüte ist um den 10. April, eine Woche nach Tokio, am schönsten am Fluss Hirose und im Park Tsutsujigaoka, mit viel weniger Betrieb als in Kyoto. Das Tanabata Matsuri vom 6. bis 8. August hängt die Arkaden voller riesiger Papierschmuck-Girlanden, es ist eines der drei grossen Sommerfeste Tohokus und ein echter Grund für die Reise, wenn du Hitze (30 Grad, schwül) und Menschen aushältst. Herbstlaub ist Anfang bis Mitte November, dann ist Matsushima am besten: klare Luft, rote Ahorne auf den Inseln. Im Dezember verwandelt die «Pageant of Starlight» die Jozenji-dori in einen Tunnel aus 600'000 Lichtern. Meide die Golden Week (29. April bis 5. Mai) und Obon (Mitte August): volle Züge, teure Zimmer. Sendai hat wenig Schnee, der Winter ist kalt, aber klar und günstig.

Unterschätzt: Fukuura-Insel und die Ojima-Halbinsel zu Fuss

Die meisten Besucher Matsushimas fahren Boot, fotografieren die rote Brücke, essen eine Auster und fahren zurück. Dabei liegt das Beste zu Fuss vor dir: Über die 252 Meter lange rote Brücke kommst du auf die Insel Fukuura (Eintritt 200 Yen), ein Naturpark mit Kiefernwald und kleinen Buchten, in dem du 45 Minuten herumspazierst und die Bucht aus der Nähe siehst, ohne Motorenlärm. Am anderen Ende des Orts liegt Oshima, eine winzige Insel mit Meditationshöhlen der Zen-Mönche aus dem Mittelalter, gratis und meist leer. Dazwischen der Zuiganji, der wichtigste Zen-Tempel Tohokus (700 Yen), 1609 von Date Masamune neu gebaut, mit goldenen Schiebetüren und einer Zedernallee. Wer mehr Höhe will, geht zum Aussichtspunkt Saigyo Modoshi no Matsu, 15 Minuten bergauf hinter dem Bahnhof Matsushima-Kaigan: der klassische Blick über alle Inseln, zur Kirschblüte unschlagbar.

Tagesausflug: Yamadera, der Bergtempel mit 1'015 Stufen

Yamadera ist der eine Tagesausflug, den du nicht auslassen solltest. Die JR-Senzan-Linie fährt ab Sendai in rund einer Stunde (860 Yen, CHF 5) in das Dorf am Fluss, der Tempel Risshaku-ji klebt darüber an einer Felswand. Der Aufstieg kostet 300 Yen und führt über 1'015 Steinstufen durch Zedernwald, vorbei an Grabnischen und Moos; rechne 40 Minuten hoch, mit Fotopausen eine Stunde. Oben steht die Godaido-Halle wie ein Balkon über dem Tal, der Blick ist der Grund für die Reise. Basho schrieb hier 1689 sein berühmtestes Haiku über die Stille und das Zirpen der Zikaden, die Stele steht am Weg. Im Winter sind die Stufen vereist und teils gesperrt, besser Mai bis November, im Herbst ist es am vollsten. Unten im Dorf gibt es Soba und «Chikara Konnyaku», Konjak-Kugeln in Sojasud für 100 Yen. Wer den Tag voll nutzt, fährt mit derselben Linie weiter nach Yamagata (weitere 20 Minuten) und isst dort Imoni.

Häufige Fragen zu Sendai & Matsushima

Wie viele Tage brauche ich für Sendai und Matsushima?

Drei volle Tage sind ein guter Rahmen: ein Tag Sendai (Zuihoden, Burgruine, Gyutan, Kokubuncho am Abend), ein Tag Matsushima mit Boot, Zuiganji und Fukuura-Insel, ein Tag Yamadera. Wer nach Matsushima ins Ryokan geht, hängt dort eine Nacht an. Als Zwischenstopp auf dem Weg nach Aomori oder Hokkaido reichen auch zwei Nächte.

Lohnt sich der Umweg von Tokio nach Sendai überhaupt?

Ja, wenn du Japan abseits der Goldenen Route sehen willst. 90 Minuten Shinkansen, und du bist in einer Stadt ohne Touristenmassen, mit eigener Küche, einem der drei berühmtesten Landschaftsbilder Japans vor der Tür und Preisen, die 20 bis 30 Prozent unter Tokio liegen. Als reiner Tagesausflug ab Tokio ist es zu knapp, plane mindestens zwei Nächte.

Was ist Gyutan und warum isst man das in Sendai?

Gyutan ist gegrillte Rinderzunge, dick geschnitten, gesalzen, über Holzkohle gegrillt, serviert mit Gerstenreis, Ochsenschwanzsuppe und eingelegtem Gemüse. Erfunden 1948 von Keishiro Sano, der im Nachkriegs-Sendai die von den Amerikanern übrig gelassenen Zungen verwertete. Es schmeckt zart, leicht knusprig und gar nicht nach Innerei. Ein Set kostet CHF 12 bis 20, die Kette Rikyu ist überall, Aji Tasuke ist das Original.

Wie komme ich am besten nach Matsushima?

Mit der JR-Senseki-Linie ab Sendai (Gleis am Ostende des Bahnhofs, Richtung Ishinomaki) bis Matsushima-Kaigan, 40 Minuten, 420 Yen (CHF 2.50), mit Suica oder JR-Pass. Steig nicht an der Station «Matsushima» der Tohoku-Hauptlinie aus, die liegt 20 Minuten zu Fuss vom Hafen. Alternativ fährt ein Ausflugsboot von Shiogama nach Matsushima (50 Minuten, 1'500 Yen), eine schöne Variante für den Hinweg.

Merkt man in Sendai noch etwas vom Tsunami 2011?

In der Innenstadt nichts. An der Küste, 10 Kilometer östlich, siehst du die neuen Deiche und die aufgegebene Siedlung Arahama, wo die erhaltene Grundschule als Mahnmal offen ist (gratis, mit dem Bus ab Bahnhof Arai). Der Besuch ist eindrücklich, respektvoll gestaltet und zeigt, warum die Region so viel Energie in den Wiederaufbau steckt. Matsushima selbst wurde durch die Inseln geschützt und ist seit Jahren wieder ganz normal.

Kann ich von Sendai aus weiter in den Norden reisen?

Sendai ist der ideale Knoten: Der Shinkansen fährt in 90 Minuten nach Shin-Aomori und in gut zwei Stunden nach Hakodate auf Hokkaido, die Senzan-Linie nach Yamagata (eine Stunde). Mit dem JR East Tohoku Area Pass (fünf Tage, CHF 180) kannst du eine Rundreise Tokio, Sendai, Matsushima, Yamadera, Ginzan Onsen, Aomori und zurück fahren, ohne ein weiteres Ticket zu kaufen.

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