Aktivitäten

Zugreisen und JR Pass

Mit 300 Stundenkilometern von Tokio nach Kyoto, auf die Minute pünktlich, mit einer Bento-Box auf dem Schoss: Zugfahren ist in Japan nicht Transport, sondern Teil der Reise.

Beste Monate: JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez

Shinkansen: Preise, Linien und was du erwarten darfst

Das Shinkansen-Netz verbindet Tokio nach Norden bis Hakodate und Aomori, nach Westen über Nagoya, Kyoto und Osaka nach Hiroshima, Fukuoka, Nagasaki und Kagoshima, dazu Linien nach Kanazawa, Nagano und Sendai. Die wichtigste Strecke ist die Tokaido-Linie Tokio bis Osaka: Der schnellste Zugtyp Nozomi braucht 2 Stunden 15 Minuten nach Kyoto und kostet rund CHF 85 einfach mit reserviertem Sitz; Hikari braucht 20 Minuten länger und ist mit dem JR Pass nutzbar, Kodama hält überall. Tokio bis Hiroshima kostet etwa CHF 115, Tokio bis Kanazawa CHF 85, Tokio bis Hakodate CHF 140. Kinder zahlen die Hälfte, bis fünf Jahre gratis ohne eigenen Sitz. Es gibt drei Klassen: Ordinary (vergleichbar mit erster Klasse SBB in Sitzbreite), Green Car (Aufpreis CHF 30 bis 50, deutlich ruhiger) und auf einigen Zügen Gran Class. Die Züge sind sauber, leise, haben Steckdosen, WLAN und Toiletten, aber keinen Speisewagen; Verpflegung kaufst du vorher. Rauchen ist seit 2024 komplett verboten. Die Fahrt am Fuji vorbei (rechte Seite Richtung Kyoto, Sitze E) ist der klassische Fotomoment, sofern die Wolken mitspielen.

JR Pass: seit 2023 selten ein Gewinn, so rechnest du

Der Japan Rail Pass gilt auf fast allen JR-Zügen landesweit, ausser Nozomi und Mizuho, die aber gegen Aufpreis nutzbar sind. Seit der Preiserhöhung vom Oktober 2023 kostet er für sieben Tage rund CHF 320, 14 Tage CHF 480, 21 Tage CHF 600, Green Car etwa 40 Prozent mehr. Die Rechnung: Tokio nach Kyoto und zurück kostet einzeln CHF 170; damit der Siebentagepass sich lohnt, brauchst du zusätzlich mindestens Hiroshima und einen Abstecher, also fast täglich eine lange Fahrt. Die typische Route Tokio, Kyoto, Osaka, Hiroshima, zurück nach Tokio summiert sich auf rund CHF 300 bis 330, der Pass ist dann knapp neutral und bringt Flexibilität: keine Tickets kaufen, spontan umsteigen, Sitzreservierungen gratis am Automaten. Wer in Tokio landet und in Osaka abfliegt, fährt einzeln günstiger. Wer in drei Wochen von Hokkaido bis Kyushu will, fährt mit dem 21-Tage-Pass besser. Den Pass kaufst du online oder über Reisebüros vor der Reise, der Umtausch gegen das Ticket passiert am Bahnhof mit dem Pass im Reisepass. Für Einzeltickets ist die App SmartEX (Tokaido und Sanyo) praktisch, mit kleinen Frühbucherrabatten; alternativ die Automaten an jedem Bahnhof, auf Englisch, mit Kreditkarte.

Regionale Pässe: die bessere Rechnung für die meisten

Die JR-Regionalgesellschaften verkaufen Pässe für Ausländer, die sich fast immer lohnen, weil sie günstig sind und auf Abstecher zugeschnitten. JR West: Der Kansai Area Pass (ab CHF 17 für einen Tag) deckt Kyoto, Osaka, Nara, Kobe und Himeji mit Regionalzügen; der Kansai-Hiroshima Area Pass (fünf Tage, rund CHF 100) nimmt den Sanyo-Shinkansen bis Hiroshima und die Fähre nach Miyajima dazu, das ist die Rechnung des Jahres für alle, die Kyoto und Hiroshima verbinden. Der Kansai Wide Area Pass (fünf Tage, CHF 70) erreicht Kinosaki, Okayama und Kurashiki. JR East: Der Tohoku Area Pass (fünf Tage flexibel, rund CHF 180) deckt Shinkansen bis Sendai, Aomori und Akita, also Matsushima, Ginzan und Nyuto. Der Hokuriku Arch Pass (sieben Tage, CHF 150) verbindet Tokio über Kanazawa mit Osaka und erlaubt Takayama per Bus-Kombination. JR Hokkaido: Rail Pass fünf oder sieben Tage für CHF 125 bis 160, deckt Sapporo, Hakodate, Furano und Otaru. JR Kyushu: Nord-Kyushu-Pass drei Tage CHF 75 für Fukuoka, Nagasaki, Beppu und Kumamoto. Alle gelten nur mit Touristenstatus im Pass und sind online vorab oder an den grossen Bahnhöfen erhältlich. Preise ändern sich; der Rechner japan-guide.com zeigt die aktuellen Zahlen.

Reservierung, Gepäck, IC-Karte: die Praxis

Auf den meisten Shinkansen gibt es reservierte und nicht reservierte Wagen (Wagen 1 bis 3 meist frei). Eine Reservation kostet CHF 2 bis 6 Aufpreis oder ist mit Pass gratis; am Automaten in einer Minute erledigt. Zwischen Tokio und Kyoto bekommst du unter der Woche fast immer einen Platz, an Feiertagen, an Wochenenden und in der Goldenen Woche Anfang Mai, in der Obon-Woche Mitte August und um Neujahr reservierst du Tage voraus. Hayabusa nach Hokkaido und einige Limited Express sind reservierungspflichtig. Gepäckregel: Auf Tokaido, Sanyo und Kyushu-Shinkansen brauchen Koffer mit über 160 Zentimetern Gesamtmass (Höhe plus Breite plus Tiefe) einen reservierten Sitz mit Gepäckplatz in der letzten Reihe, sonst drohen CHF 6 Gebühr und ein Platz im Abteil des Schaffners. Ein normaler Kabinenkoffer bleibt darunter, ein grosser Koffer nicht. Die Lösung heisst Takkyubin: Du schickst den Koffer für CHF 12 bis 20 über Nacht vom Hotel zum nächsten Hotel und reist mit Tagesrucksack. Für Regionalzüge und U-Bahnen lädst du eine IC-Karte (Suica, Icoca, auch digital auf dem iPhone) mit Guthaben; sie gilt landesweit und an Automaten und Konbini. Limited Express sind die schnellen konventionellen Züge mit Zuschlag, etwa Thunderbird nach Kanazawa, Haruka zum Flughafen Kansai oder Kamome nach Nagasaki.

Ekiben, Nachtzug Sunrise Seto und Strecken für den Genuss

Ekiben sind Bahnhofs-Bento mit regionalen Spezialitäten, CHF 6 bis 12 am Kiosk oder in der Ekiben-Halle im Bahnhof Tokio mit über 150 Sorten; Essen im Shinkansen ist ausdrücklich erwünscht, im Regionalzug eher nicht. Der Sunrise Seto ist der letzte reguläre Nachtzug Japans: täglich ab Tokio 21.50 Uhr nach Takamatsu auf Shikoku, mit Schwesterzug Sunrise Izumo nach Izumo. Die günstigste Option ist Nobinobi, ein Teppichplatz mit Vorhang, für den Fahrpreis von rund CHF 90 ohne Zuschlag; Einzelkabinen kosten CHF 45 bis 80 Aufpreis und sind innert Minuten nach Freigabe einen Monat vorher ausverkauft. Der Sagano-Romantikzug fährt in 25 Minuten von Arashiyama bei Kyoto durch die Hozu-Schlucht nach Kameoka (CHF 5), zurück per Boot auf dem Fluss (CHF 25) oder mit der JR-Linie; im Herbstlaub und zur Kirschblüte Wochen voraus reservieren. Die Kurobe-Schluchtbahn ab Unazuki Onsen in Toyama fährt in offenen Wagen durch eine der tiefsten Schluchten Japans, CHF 12 bis 20; nach dem Erdbeben 2024 war die Strecke zeitweise nur teilweise befahrbar, Stand vor Abreise prüfen. Auf Hokkaido lohnen die Küstenlinie Sapporo bis Hakodate mit dem Limited Express Hokuto (3,5 Stunden, Meerblick bei Oshamambe), die Fahrt nach Furano durch die Felder und im Winter der Kushiro-Sumpfgebiet-Zug mit Kranichen. Weitere Klassiker: Gono-Linie an der Küste von Aomori, Hisatsu-Linie auf Kyushu, Sanriku-Küstenbahn in Tohoku.

Touren, die sich lohnen

JR Pass 7, 14 oder 21 Tage

Der landesweite Pass für alle, die in kurzer Zeit weite Strecken fahren, zum Beispiel Tokio, Kyoto, Hiroshima und zurück oder quer durch das Land. Vor der Reise kaufen, am Bahnhof gegen das Ticket tauschen. Rechne vorher nach, ob er sich lohnt.

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JR West Kansai-Hiroshima Area Pass

Fünf Tage Kyoto, Osaka, Nara, Himeji, Hiroshima und Miyajima inklusive Sanyo-Shinkansen. Für die meisten Erstreisenden die günstigere Alternative zum landesweiten Pass.

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Sagano-Romantikzug und Hozu-Bootsfahrt ab Kyoto

Halbtagestour ab Kyoto mit Fahrt im Panoramazug durch die Hozu-Schlucht und Rückweg per Boot, dazu Zeit im Bambuswald von Arashiyama. Mit Reservation, die du selbst kaum bekommst.

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Hokkaido Rail Pass

Fünf oder sieben Tage auf allen JR-Hokkaido-Zügen von Sapporo nach Hakodate, Furano, Otaru und Asahikawa. Lohnt sich ab zwei langen Fahrten auf der grossen Nordinsel.

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Suica oder Icoca IC-Karte mit Guthaben

Die kontaktlose Fahrkarte für U-Bahnen, Regionalzüge, Busse und Konbini im ganzen Land. Vorab kaufen oder am Flughafen, digital auf dem iPhone sofort einsatzbereit.

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Tokio bis Kyoto Shinkansen-Ticket mit Sitzreservierung

Einzelfahrt im Nozomi oder Hikari mit reserviertem Platz, auf Wunsch auf der Fuji-Seite. Für alle ohne Pass die einfache Buchung in der eigenen Sprache, geliefert als QR-Code oder zum Abholen am Automaten.

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Wo

Häufige Fragen

Lohnt sich der JR Pass noch?

Selten. Seit Oktober 2023 kostet der Siebentagepass rund CHF 320. Die Standardroute Tokio, Kyoto, Hiroshima und zurück nach Tokio kostet einzeln etwa CHF 300 bis 330, du sparst also nichts, gewinnst aber Flexibilität. Wer offen fliegt (Tokio rein, Osaka raus) oder nur Kansai bereist, fährt mit Einzeltickets und regionalen Pässen deutlich günstiger. Bei drei Wochen quer durchs Land lohnt der 21-Tage-Pass.

Was kostet der Shinkansen von Tokio nach Kyoto?

Rund CHF 85 einfach mit reserviertem Sitz im Nozomi, etwa CHF 80 im nicht reservierten Wagen. Frühbuchertarife über die App SmartEX sparen einige Franken. Kinder von 6 bis 11 zahlen die Hälfte. Die Fahrt dauert 2 Stunden 15 Minuten, Züge fahren alle 10 bis 15 Minuten.

Muss ich Sitze reservieren?

Meist nicht, aber es ist mit Pass gratis und sonst günstig. Auf der Tokaido-Linie gibt es immer nicht reservierte Wagen. Reservieren solltest du an Wochenenden, in der Goldenen Woche Anfang Mai, in der Obon-Woche Mitte August, um Neujahr und wenn du grosses Gepäck hast. Hayabusa nach Hokkaido und einige Limited Express sind reservierungspflichtig.

Wie funktioniert die Gepäckregel mit 160 Zentimetern?

Auf Tokaido, Sanyo und Kyushu-Shinkansen gilt: Koffer über 160 Zentimeter Gesamtmass (Höhe plus Breite plus Tiefe) brauchen einen reservierten Sitz in der letzten Reihe mit Gepäckplatz dahinter, kostenlos bei der Reservation. Ohne Reservation zahlst du CHF 6 Gebühr. Ein Kabinenkoffer bleibt unter der Grenze. Die bequemste Lösung ist der Kofferversand Takkyubin von Hotel zu Hotel für CHF 12 bis 20.

Gibt es Nachtzüge in Japan?

Nur noch einen regulären: Sunrise Seto und Sunrise Izumo fahren täglich ab Tokio nach Takamatsu und Izumo. Der Teppichplatz Nobinobi kostet nur den Fahrpreis von rund CHF 90, Kabinen CHF 45 bis 80 extra. Kabinen sind einen Monat vorher innert Minuten weg, für Nobinobi hast du bessere Chancen. Mit JR Pass ist Nobinobi gratis. Luxuszüge wie der Seven Stars sind eine andere Preisklasse.

Passende Veranstaltungen

Apr 29

Golden Week

Feiertag · Japan

29. April 2027 29. April bis 5. Mai; 2027 mit Brückentag am 30. April bis zu sieben Tage am Stück Landesweit

Vier Feiertage in einer Woche, Showa-Tag (29. April), Verfassungstag (3. Mai), Tag des Grüns (4. Mai) und Kindertag (5. Mai), machen die Golden Week zur grössten Reisewelle des Jahres: Halb Japan ist unterwegs. Reservierte Shinkansen-Plätze sind Wochen vorher weg, die Autobahnen stauen sich über 40 Kilometer, Hotels in Kyoto, Okinawa und den Alpen verlangen das Doppelte, wenn überhaupt noch etwas frei ist. Sehenswürdigkeiten, Läden und Restaurants sind offen, aber Kyotos Tempel und Tokios Disneyland sind schlicht überlaufen. Dafür wehen überall Karpfenfahnen (Koinobori), und in Hakodate blühen gerade die Kirschen.

Für Reisende: Reise vor dem 25. April oder nach dem 7. Mai, oder bleib in dieser Woche an einem Ort; wer durch muss, bucht Hotels und Shinkansen-Plätze am ersten Tag des Vorverkaufs einen Monat vorher oder nimmt die Wagen ohne Platzreservierung.

Aug 13

Obon (Ahnenfest) und Bergtag

Feiertag · Japan

13. August 2027 Bergtag 11. August gesetzlicher Feiertag, Obon 13. bis 16. August; Betriebsferien meist 11. bis 16. August Landesweit

Zu Obon kehren die Seelen der Ahnen für drei Tage heim, und halb Japan kehrt mit ihnen in die Heimatorte zurück. Obon ist kein gesetzlicher Feiertag, aber die meisten Firmen schliessen um den Bergtag (11. August) für eine knappe Woche, und der Reiseverkehr erreicht nach Neujahr und Golden Week die dritte Jahresspitze: Shinkansen mit 150 Prozent Auslastung, Staus, Inlandsflüge doppelt so teuer. Sehenswürdigkeiten bleiben offen, kleine Restaurants in Provinzstädten schliessen. Überall wird abends Bon Odori getanzt, in Kyoto brennen am 16. August um 20 Uhr die Daimonji-Feuer auf fünf Bergen, Laternen werden auf Flüsse gesetzt. Dazu kommen 35 Grad und Taifungefahr.

Für Reisende: Shinkansen-Plätze einen Monat vorher am Verkaufsstart reservieren oder an den Stosstagen 13. und 16. August gar nicht reisen; die Bon-Odori-Abende in Dorfschreinen sind offen für alle und ein Höhepunkt jeder Sommerreise.