Sylt

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Sylt

Was eine Woche auf der teuersten Insel Deutschlands wirklich kostet, wie du mit dem Autozug oder der Bahn hinkommst und warum Oktober besser ist als Juli, wenn du Sylt wegen Wind, Watt und Dünen willst und nicht wegen Champagner.

Foto: Timos Blickfang / Pexels

Was kostet deine Reise nach Sylt?

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2'135 CHF
≈ 1'068 CHF pro Person
  • Anreise 400 CHF
  • Unterkunft 1'000 CHF
  • Essen 550 CHF
  • Transport vor Ort 75 CHF
  • Autozug Niebüll hin und zurück (Anteil pro Person) 110 CHF

Schätzwerte zur Orientierung, keine Buchungspreise. Anreise heisst hier Bahn oder Auto ab der Schweiz, hin und zurück pro Person. Hotels schwanken saisonal stark, aktuelle Preise findest du über die Links weiter unten.

Geld & Bezahlen: Bezahlt wird in Euro (EUR). Deutschland ist bargeldfreundlicher als die Schweiz: In Bäckereien, Kiosken und kleinen Lokalen heisst es oft «nur Bargeld», Kartenzahlung geht aber fast überall ab CHF 10. Trinkgeld 5 bis 10 Prozent, beim Bezahlen aufrunden und den Betrag nennen. Anreise: Anreise mit Bahn (DB), Auto oder Flug, je nach Ziel 1 bis 8 Stunden.

Hotel-Empfehlungen

Neun Optionen in drei Preisklassen – jeweils die Häuser mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Budget

Hotel Niedersachsen

Westerland, Sylt

Traditionshaus in Westerland, 300 Meter vom Strand und fünf Minuten vom Bahnhof, mit Restaurant, kleinem Spa und Frühstück inklusive. Zimmer solide, nicht modern. Für Bahnreisende die praktischste Adresse zum fairen Sylter Preis.

ab CHF 120 / Nacht Ansehen →

Hotel Wiking Sylt

Westerland, Sylt

Familiengeführtes Hotel in einer ruhigen Strasse von Westerland, Strand und Promenade in fünf Minuten zu Fuss, Fahrradverleih, Frühstück inklusive. Einfache Zimmer, teils mit Balkon. Für alle, die auf Sylt den Strand wollen und nicht das Hotel.

ab CHF 140 / Nacht Ansehen →

Hotel Roth am Strande

Westerland, Sylt

Direkt an der Westerländer Promenade mit Blick auf die Nordsee, Pool und Restaurant, die günstigste Strandlage der Insel. Zimmer zur Meerseite kosten mehr und lohnen sich, die zur Stadt sind schlicht. Für Promenade, Sonnenuntergang und kurze Wege.

ab CHF 140 / Nacht Ansehen →

Mittelklasse

Dorint Strandresort & Spa Westerland/Sylt

Westerland, Sylt

Grosses Resort hinter den Dünen am Südrand von Westerland mit Spa auf zwei Etagen, Pool und Restaurants, Strand in drei Minuten. Zimmer mit Dünenblick buchen. Für Schlechtwettertage und Familien die solide Mittelklasse mit allem unter einem Dach.

ab CHF 200 / Nacht Ansehen →

Lindner Hotel Sylt

Wenningstedt, Sylt

Hotel im Dorf Wenningstedt zwischen Westerland und Kampen, mit Spa, Pool und Restaurant, Strand in fünf Minuten über die Düne. Ruhiger als Westerland, günstiger als Kampen, mit dem Velo zu beiden in zehn Minuten. Für Paare, die Mitte der Insel wollen.

ab CHF 190 / Nacht Ansehen →

Long Island House Sylt

Westerland, Sylt

Kleines Hotel im Stil der Hamptons mit weissen Holzmöbeln, Garten und Terrasse, in einer Wohnstrasse zwischen Bahnhof und Strand. Persönlich geführt, gutes Frühstück, kein Spa. Für alle, denen die Resorts zu gross sind.

ab CHF 180 / Nacht Ansehen →

Luxus

Hotel Stadt Hamburg

Westerland, Sylt

Das Grand Hotel der Insel seit 1869 mitten in Westerland, mit Garten, Spa, Bibliothek und dem Sterne-Restaurant Bistro Stadt Hamburg. Klassisch, hanseatisch, mit Personal, das Gäste seit Jahrzehnten kennt. Für Sylt in der traditionellen Form, Strand in fünf Minuten.

ab CHF 350 / Nacht Ansehen →

Severin*s Resort & Spa

Keitum, Sylt

Reetgedecktes Resort am Rand von Keitum mit Blick aufs Watt, grossem Spa, Pool und zwei Restaurants. Ruhig, auf der Wattseite, Sonnenuntergang vom Deich. Für alle, die Sylt wegen Keitum und Natur wollen, nicht wegen Kampen.

ab CHF 450 / Nacht Ansehen →

Budersand Hotel Golf & Spa Sylt

Hörnum, Sylt

Modernes Haus an der Südspitze der Insel zwischen Golfplatz, Dünen und Hafen Hörnum, mit Spa, Pool und Sterne-Restaurant KAI3. Weit weg vom Trubel, Odde und Leuchtturm zu Fuss. Für Golfer und Ruhesuchende, mit Auto oder Bus nach Westerland 30 Minuten.

ab CHF 400 / Nacht Ansehen →

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Erlebnisse, die sich lohnen

Wattwanderung ab Keitum oder Hörnum

Zwei bis drei Stunden barfuss durch das UNESCO-Weltnaturerbe mit Führer, Wattwürmer, Krebse und Priele inklusive, CHF 10 bis 15, mit Gästekarte günstiger. Nur bei Ebbe, Termine hängen vom Tidenkalender ab, feste Zeiten gibt es nicht. Nie allein ins Watt.

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Rotes Kliff und Uwe-Düne in Kampen

Das 30 Meter hohe rote Kliff bei Sonnenuntergang und die Uwe-Düne mit 110 Stufen und Blick über die ganze Insel, beides gratis. Danach ein Drink in der Kupferkanne, einem Café in einem alten Bunker mit Garten. Mit dem Velo ab Westerland 20 Minuten.

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Austernführung in List

Deutschlands einzige Austernzucht im Lister Watt, Führung mit Erklärung und Verkostung CHF 15 bis 20, danach Austern in der Austernstube für CHF 3 bis 4 das Stück. Zwei Stunden, vorher anmelden, im Winter weniger Termine.

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Erlebniszentrum Naturgewalten

Ausstellung in List zu Wind, Wasser, Klima und Wattenmeer, interaktiv und gut für Kinder, CHF 16, mit Gästekarte weniger. Zwei bis drei Stunden, bei Regen voll, dann lieber früh um 10 Uhr. Danach Fischbrötchen am Lister Hafen.

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Inselrundfahrt mit dem Velo

Von Westerland nach List über Wenningstedt und Kampen, zurück über Keitum auf der Wattseite, 50 Kilometer auf perfekten Radwegen, flach, aber windig. Leihvelo CHF 10 bis 15, E-Bike CHF 30. Gegenwind einplanen, meist aus Westen.

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Schiffsausflug zu den Seehundbänken

Ab Hörnum oder List mit dem Ausflugsschiff zu den Seehundbänken vor Amrum und Föhr, zwei bis drei Stunden, CHF 25 bis 35. Fernglas mitnehmen, die Tiere liegen auf Distanz. Bei Seegang nichts für empfindliche Mägen.

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Keitum: Kapitänshäuser und St. Severin

Rundgang durch das schönste Dorf der Insel mit reetgedeckten Friesenhäusern, Sylter Heimatmuseum und Altfriesischem Haus (je CHF 6), Kirche St. Severin von 1216 mit Wattblick. Dorfführung ab CHF 10, danach Friesentorte in einer Teestube.

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Hörnum-Odde und Leuchtturm

Zwei Stunden Rundweg um die wandernde Sandspitze im Süden, mit Leuchtturm, Dünen und Blick auf Amrum, gratis, bei Sturm spektakulär. Leuchtturmführung mit Trauungen und Besichtigung ab CHF 8 im Sommer. Bus ab Westerland 35 Minuten.

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Tagesausflug Rømø mit der Fähre

Ab List in 40 Minuten nach Dänemark, hin und zurück als Fussgänger CHF 15 bis 20, mit Velo etwas mehr, mit Auto CHF 90 bis 110. Rømø hat einen 12 Kilometer breiten Autostrand und dänische Hotdogs. Ein ganzer Tag, die letzte Fähre zurück prüfen.

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Essen & Trinken

Sylt isst Nordsee, und zwar auf hohem Niveau zu hohen Preisen: Austern aus dem eigenen Watt, Krabben von Hand gepult, Scholle, Steinbutt, Matjes. Daneben lebt die friesische Tradition mit Tee, Friesentorte und Grünkohl. Die Kunst ist, mittags im guten Lokal und abends am Hafen zu essen.

Sylter Royal Austern

Austernstube der Dittmeyer's Austern-Compagnie in List, direkt am Watt

Pazifische Austern aus der einzigen deutschen Zucht im Lister Watt, fleischig, salzig, mit Zitrone oder pur. CHF 3 bis 4 das Stück, sechs Stück mit Brot und Wein CHF 25 bis 30.

Tipp:Saison ist September bis April, im Sommer schmecken sie milchiger.

Krabbenbrötchen und Krabbenrührei

Gosch am Hafen in List oder die Fischbuden am Hafen Hörnum

Nordseekrabben, auf Sylt noch von Hand gepult, im Brötchen mit Remoulade für CHF 8 bis 10, als Rührei zum Frühstück CHF 14 bis 18. Teuer, weil das Pulen Stunden dauert.

Tipp:Frag, ob die Krabben von Hand gepult sind, maschinell gepulte kommen aus Marokko zurück.

Fischbrötchen mit Matjes oder Backfisch

Gosch in List, Fischbuden an der Westerländer Promenade und am Hafen Hörnum

Das Alltagsessen der Insel, auf Sylt ein bis zwei Franken teurer als auf Rügen: Matjes, Bismarck, Backfisch oder Lachs im Brötchen, CHF 6 bis 9.

Tipp:Am Lister Hafen auf der Mole essen, die Möwen kennen den Trick mit dem Brötchen.

Scholle Finkenwerder Art oder Seezunge

Fischrestaurants in Westerland und Keitum, Hafenlokale in Hörnum

Ganze Nordseescholle mit Speck und Krabben für CHF 28 bis 38, Seezunge in Butter für CHF 45 bis 60. Mittags in denselben Häusern oft CHF 10 günstiger.

Tipp:Die Mittagskarte zwischen 12 und 14 Uhr ist der beste Deal der Insel.

Friesentorte

Teestuben in Keitum und Morsum, Cafés in Kampen

Blätterteig, Pflaumenmus und viel Sahne in Schichten, dazu ostfriesischer Tee mit Kluntje und Sahnewolke. Stück CHF 5 bis 6, Tee CHF 4.

Tipp:Den Tee nicht umrühren, die Sahne soll als Wolke oben bleiben, das ist friesische Regel.

Grünkohl mit Kassler und Kochwurst

Dorfgasthöfe in Keitum, Morsum und Tinnum

Das Wintergericht des Nordens, deftig, mit Kartoffeln und Senf, von November bis März auf jeder Karte und am Biikebrennen am 21. Februar Pflicht. CHF 18 bis 26.

Tipp:Nach dem Biikefeuer gehen alle gleichzeitig essen, Tisch Wochen vorher reservieren.

Sylter Hopfen und Sylter Rum

Sylter Brauhaus in Rantum, Teestuben und Strandbars für den Pharisäer

Bier von der Inselbrauerei in Rantum für CHF 5 bis 6 im Lokal, und der Pharisäer, Kaffee mit Rum und Sahnehaube, angeblich erfunden, um dem Pastor den Alkohol zu verheimlichen, CHF 7 bis 9.

Tipp:Den Pharisäer nicht umrühren, sonst zahlst du der Legende nach eine Runde.

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Geschichte & Hintergrund

Sylt ist eine Insel, die sich bewegt. Die 40 Kilometer lange Nordseeinsel entstand aus Geestkern und Dünen, und die Sturmfluten der Vergangenheit haben sie immer wieder zerlegt: Die «Grote Mandränke» von 1362 riss ganze Küstenstriche weg, 1634 verschwanden weitere Dörfer. Bis heute verliert die Westküste pro Jahr rund einen Meter Land, das mit Sandvorspülungen für Millionen Euro ersetzt wird. Besiedelt war Sylt schon in der Steinzeit, das Hünengrab Denghoog bei Wenningstedt ist 5'000 Jahre alt. Im Mittelalter lebten die Friesen hier von Landwirtschaft, Fischfang und ab dem 17. Jahrhundert vom Walfang: Sylter Kapitäne fuhren für holländische und dänische Reeder nach Grönland, und die Kapitänshäuser in Keitum mit ihren Reetdächern und blau-weissen Kacheln sind das Erbe dieser Zeit. Bis 1864 gehörte Sylt zum dänischen Gesamtstaat, dann wurde es nach dem Deutsch-Dänischen Krieg preussisch. Das Seebad Westerland entstand 1855, der Aufstieg zum Modeziel kam 1927 mit dem Hindenburgdamm, der die Insel per Bahn mit dem Festland verband. Kampen wurde in den Zwanzigerjahren Künstlerkolonie, nach dem Krieg Treffpunkt des westdeutschen Geldadels mit Gunter Sachs, Brigitte Bardot und den Boulevardblättern, und der Ruf als Insel der Reichen hält bis heute. Die Nordsee ist seit 2009 als Wattenmeer UNESCO-Weltnaturerbe, und auf Sylt liegt mit dem Ellenbogen der nördlichste Punkt Deutschlands. 2022 machte das 9-Euro-Ticket Schlagzeilen, weil Punks mit dem Zug nach Westerland fuhren und blieben. Seit Jahrzehnten streitet die Insel über Zweitwohnungen, Wohnungsnot für Einheimische und die Frage, wie viel Luxus eine Düne verträgt.

Insider-Tipps

Anreise: Bahn bis Westerland, Autozug ab Niebüll, Flug nur saisonal

Sylt erreichst du nur über den Hindenburgdamm, und zwar per Bahn. Ab der Schweiz heisst das: ÖBB Nightjet ab Zürich oder Basel nach Hamburg (Liegewagen ab CHF 80 pro Richtung), dann mit dem Regionalexpress oder IC in rund drei Stunden nach Westerland, mit Deutschlandticket gratis, sonst Sparpreis CHF 20 bis 40. Tagsüber dauert die Reise ab Zürich 11 bis 12 Stunden mit Umstieg in Hamburg. Mit dem Auto fährst du ab Zürich rund 1'000 Kilometer und 10 Stunden bis Niebüll, dort fährt der Autozug: DB Sylt Shuttle und der blaue Autozug Sylt pendeln alle 30 bis 60 Minuten, 35 Minuten über den Damm, Auto hin und zurück rund CHF 100 bis 120 ohne Reservierung, Sparpreise bei Online-Buchung. Die Alternative ist die Fähre ab Rømø in Dänemark nach List, 40 Minuten, Auto hin und zurück CHF 90 bis 110, landschaftlich schöner. Ein Flug ab Zürich nach Sylt (GWT) existiert nur saisonal und nicht in jedem Jahr, mit Preisen von CHF 300 bis 500; prüf das Angebot für den Sommer, verlass dich aber nicht darauf. Auf der Insel brauchst du das Auto nicht: Der Bus der SVG fährt von List bis Hörnum alle 20 bis 30 Minuten, Tageskarte CHF 10, mit der Gästekarte günstiger, und das Velonetz ist perfekt, Miete CHF 10 bis 15 pro Tag, E-Bike CHF 30.

Unterkunft: Westerland, Wenningstedt, Keitum, und was Kampen kostet

Westerland ist der Hauptort mit Bahnhof, Promenade, Hochhäusern aus den Siebzigern, Läden und der grössten Auswahl an Hotels, auch den günstigen. Wenningstedt nördlich davon ist ruhiger, mit Strand und Dünen, Kampen ist das Dorf der Reetdächer, Boutiquen und Millionäre, mit Hotelpreisen ab CHF 350. Keitum auf der Wattseite ist das schönste Dorf der Insel mit Kapitänshäusern und Gärten, List im Norden ist rau und windig mit dem Hafen, Hörnum im Süden still mit der Odde und dem Leuchtturm. Die ehrlichen Preise in der Saison: einfaches Hotel in Westerland CHF 110 bis 160, Mittelklasse CHF 180 bis 280, Luxus in Kampen, Keitum und Hörnum CHF 350 bis 700. Dazu kommt die Kurtaxe von CHF 3.50 bis 4.50 pro Person und Tag, die du für den Strandzugang brauchst. Ferienwohnungen dominieren die Insel, mit Mindestaufenthalt von sieben Nächten im Sommer, Endreinigung CHF 100 bis 180 und Buchung ein Jahr im Voraus für die guten Lagen; sie lohnen sich ab fünf Nächten und für Familien. Im Oktober, November und März fallen die Hotelpreise um 30 bis 50 Prozent, und du bekommst Zimmer mit Meerblick, die im Juli ausgebucht waren. Buche den Sommer im Januar, den Herbst sechs Wochen vorher. Meerblick kostet CHF 40 bis 80 Aufpreis pro Nacht, Wattblick ist günstiger und abends mit Sonnenuntergang oft schöner.

Kostenfallen und Spartricks: Kurtaxe, Strandkorb, Sansibar und das Mittagsmenü

Sylt ist nicht teuer wegen der Kurtaxe, sondern wegen der Summe der kleinen Posten. Ein Strandkorb kostet CHF 12 bis 18 pro Tag, in Kampen mehr, und ist im Juli nur per Vorbuchung zu haben; im September bekommst du ihn spontan für die halbe Woche. Parkplätze an den Stränden kosten CHF 2 bis 3 pro Stunde oder CHF 10 bis 15 pro Tag, der Ellenbogen im Norden verlangt CHF 7 Maut, das Velo parkt überall gratis. Die Sansibar in Rantum ist eine Strandhütte mit Weinkeller und Promifaktor, Hauptgang CHF 35 bis 60, die Schlange am Nachmittag lang, und ehrlich: Ein Fischbrötchen von Gosch in List für CHF 7 mit Blick auf den Hafen macht glücklicher. Die Mittagskarten der guten Restaurants in Keitum und Kampen kosten oft die Hälfte der Abendkarte, iss dort mittags und abends Fischbrötchen am Hafen. Die Gästekarte, die du mit der Kurtaxe bekommst, bringt Rabatte auf Bus, Wattwanderungen, Museen und das Sylter Welle-Schwimmbad in Westerland (CHF 12 bis 15). Das Erlebniszentrum Naturgewalten in List kostet CHF 16 und ist bei Regen voll, das Wattenmeer selbst ist gratis und bei Regen leer. Trinkgeld 5 bis 10 Prozent, auf Sylt wird Karte fast überall genommen, auch an den Fischbuden.

Timing: Herbst statt Sommer, Wind in allen Jahreszeiten

Die Nordsee hat im August 18 bis 19 Grad, mehr nicht, und der Wind weht an 300 Tagen im Jahr. Juli und August sind die teuerste Zeit, mit Staus auf der Inselstrasse, vollen Stränden in Westerland und Preisen, die in der Schweiz niemanden erschrecken, in Deutschland aber als Skandal gelten. Die ehrlich beste Zeit ist Mitte September bis Ende Oktober: Die Ferien sind vorbei, das Licht ist klar, die Dünen leuchten violett von der Heide, das Wasser ist noch 16 Grad, die Hotels geben 30 bis 50 Prozent nach, und abends sitzt du am Kamin. Der Herbst ist auch Kranich- und Zugvogelzeit im Watt, Zehntausende rasten vor Keitum und Morsum. Mai und Juni sind hell, frisch und leer, mit blühender Strandrose und Vorsaisonpreisen. Der Winter ist Sturmsaison: Grau, nass, 3 bis 6 Grad, aber das Biikebrennen am 21. Februar, wenn in jedem Dorf ein Holzstoss brennt und danach Grünkohl gegessen wird, ist das friesischste Fest des Jahres, und die Preise sind die tiefsten. Hochwasser und Niedrigwasser bestimmen den Tag: Wattwanderungen nur bei Ebbe mit Führer, Baden bei Flut mit Blick auf die Flaggen, die Strömung an der Westküste ist gefährlich. Tidenkalender gibt es an jedem Strandzugang. Sonnenuntergang am Roten Kliff in Kampen ist das Pflichtprogramm, komm eine halbe Stunde vorher, im Sommer stehen dort hundert Leute, im Oktober zehn.

Unterschätzt: Wattenmeer zu Fuss, Morsum-Kliff, Hörnum-Odde und Keitum

Die meisten laufen die Westerländer Promenade, essen bei Gosch in List und fotografieren das Rote Kliff. Sylt wird besser, wenn du auf die Wattseite wechselst. Das Wattenmeer ist UNESCO-Weltnaturerbe und bei Ebbe begehbar: Geführte Wattwanderungen ab Keitum, Rantum oder Hörnum dauern zwei bis drei Stunden, kosten CHF 10 bis 15 und zeigen dir Wattwürmer, Krebse, Priele und einen Horizont ohne Ende; allein ins Watt gehen ist gefährlich, die Flut kommt schneller als du läufst. Das Morsum-Kliff im Osten ist die älteste Landschaft der Insel, rote, weisse und schwarze Erdschichten aus Millionen Jahren, ein Rundweg von einer Stunde, fast immer leer. Die Hörnum-Odde im Süden ist eine wandernde Sandspitze, die jedes Jahr kleiner wird, zwei Stunden Rundweg um Leuchtturm und Dünen, im Winter dramatisch. Keitum ist das Dorf für einen ganzen Nachmittag: Kapitänshäuser hinter Steinwällen, das Sylter Heimatmuseum und das Altfriesische Haus (je CHF 6), die Kirche St. Severin von 1216 auf dem Hügel mit Blick übers Watt, Teestuben mit Friesentorte. Die Uwe-Düne in Kampen ist mit 52 Metern die höchste Erhebung, 110 Stufen, Blick über die ganze Insel, gratis. Der Ellenbogen im Norden ist Privatland mit Mautstrasse (CHF 7 fürs Auto, Velo gratis), Wanderdünen und dem nördlichsten Punkt Deutschlands, Baden verboten wegen Strömung, dafür Seehunde auf den Bänken.

Essen: Fisch, Austern, Friesentorte und die Preise, die dazugehören

Sylt isst Nordsee: Scholle, Seezunge, Steinbutt, Krabben, Matjes, Austern aus dem Lister Watt. Die Preise sind die höchsten in Deutschland und liegen knapp unter Zürich: Fischbrötchen CHF 6 bis 9, Hauptgang im normalen Lokal CHF 25 bis 40, in Kampen CHF 40 bis 60, Bier CHF 5, Kaffee CHF 4.50. Gosch in List ist die Fischbude, die zur Kette wurde, am Hafen trotzdem der richtige Ort für Krabbenbrötchen und Fischsuppe mit Blick auf die Kutter. Die Sylter Royal Austern aus der Zucht in List isst du in der Austernstube der Dittmeyer's Austern-Compagnie direkt am Watt, CHF 3 bis 4 das Stück, dazu Weisswein, die Führung durch die Zucht kostet CHF 15. Nordseekrabben werden auf Sylt noch von Hand gepult, im Brötchen CHF 8 bis 10. Die Friesentorte, Blätterteig mit Pflaumenmus und Sahne, bekommst du in den Teestuben in Keitum und Morsum für CHF 5 bis 6, mit ostfriesischem Tee und Kluntje. Grünkohl mit Kassler und Kochwurst ist das Wintergericht, ab Biikebrennen Pflicht. Für den Abend gilt: Die Mittagskarte derselben Küche kostet die Hälfte, die Lokale in Westerland und Tinnum sind 30 Prozent günstiger als in Kampen und Keitum, und ein Picknick in den Dünen mit Räucherfisch, Brot und Flasche Wein aus dem Supermarkt kostet CHF 15 pro Person und schlägt die Sansibar.

Häufige Fragen zu Sylt

Wie komme ich ab der Schweiz nach Sylt, und brauche ich das Auto?

Mit dem ÖBB Nightjet ab Zürich oder Basel nach Hamburg (Liegewagen ab CHF 80 pro Richtung), dann in drei Stunden mit dem Zug nach Westerland, mit Deutschlandticket gratis. Tagsüber 11 bis 12 Stunden. Mit dem Auto 1'000 Kilometer bis Niebüll, dann Autozug über den Hindenburgdamm, hin und zurück CHF 100 bis 120 pro Auto, oder Fähre ab Rømø. Flüge ab Zürich gibt es nur saisonal und nicht jedes Jahr. Auf der Insel reichen Bus und Velo völlig, das Auto kostet dich Parkgebühren und Nerven.

Wie teuer ist Sylt wirklich?

Für deutsche Verhältnisse sehr, für Schweizer etwa wie zu Hause: Mittelklasse-Doppelzimmer CHF 180 bis 280 in der Saison, Hauptgang CHF 25 bis 40, Fischbrötchen CHF 7, Strandkorb CHF 15 pro Tag, Kurtaxe CHF 4 pro Person und Tag. Rechne mit CHF 150 bis 200 pro Tag und Person inklusive Hotel im Sommer, im Oktober mit CHF 110 bis 140. Kampen und die Sansibar verdoppeln die Rechnung, Westerland und Velo halbieren sie.

Wann ist die beste Reisezeit für Sylt?

Mitte September bis Ende Oktober: leere Strände, klares Licht, Heide in den Dünen, Zugvögel im Watt, Hotels 30 bis 50 Prozent günstiger, Kaminabende. Mai und Juni sind hell und frisch mit Vorsaisonpreisen. Juli und August sind voll und am teuersten, das Wasser hat dann 18 Grad. Das Biikebrennen am 21. Februar ist das Fest für Wintergäste. Wind hast du in jedem Monat, die Regenjacke immer dabei.

Wie viele Tage sollte man auf Sylt bleiben?

Fünf bis sieben Nächte, weil die Anreise ab der Schweiz einen Tag pro Richtung kostet und Ferienwohnungen im Sommer ohnehin sieben Nächte verlangen. In einer Woche schaffst du Westerland, Kampen mit Rotem Kliff, List mit Ellenbogen, Keitum, Hörnum-Odde, Morsum-Kliff, eine Wattwanderung und einen Tag Rømø. Für drei Nächte ist Sylt zu weit, dann besser Hamburg mit einem Tagesausflug.

Kann man auf Sylt baden, und ist die Nordsee gefährlich?

Baden ja, aber kurz: Die Nordsee hat im Hochsommer 17 bis 19 Grad. An der Westküste gibt es starke Strömungen und Brandung, bade nur an bewachten Stränden mit grüner Flagge, bei Rot bleibst du draussen, auch wenn es harmlos aussieht. Die Wattseite ist flach und ruhig, aber bei Ebbe weit weg. Geh nie allein ins Watt, die Flut kommt schneller als du zurückläufst. Die Strandsauna in Kampen und die Sylter Welle in Westerland sind die Alternativen bei Kälte.

Ist Sylt etwas für Familien oder nur für Reiche?

Der Ruf kommt von Kampen und den Schlagzeilen, die Insel selbst ist voller Familien aus Hamburg und Nordrhein-Westfalen in Ferienwohnungen in Westerland, Wenningstedt und Hörnum. Mit Velo, Strand, Wattwanderung, Naturgewalten-Zentrum und Sylter Welle brauchst du keinen Champagner. Günstig ist es trotzdem nicht: Für eine Familie mit zwei Kindern rechnest du in einer Ferienwohnung im September mit CHF 2'500 bis 3'500 für eine Woche inklusive Anreise mit dem Auto.

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