Berchtesgaden und Königssee

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Berchtesgaden und Königssee

Was ein paar Tage im südöstlichsten Zipfel Deutschlands wirklich kosten, warum du das erste Boot über den Königssee nehmen musst und wie du Kehlsteinhaus und Obersalzberg einordnest, ohne dass es eine Hitler-Tour wird.

Foto: Wolfgang Weiser / Pexels

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1'695 CHF
≈ 848 CHF pro Person
  • Anreise 260 CHF
  • Unterkunft 750 CHF
  • Essen 500 CHF
  • Transport vor Ort 125 CHF
  • Königssee-Schifffahrt bis Salet und Obersee 60 CHF

Schätzwerte zur Orientierung, keine Buchungspreise. Anreise heisst hier Bahn oder Auto ab der Schweiz, hin und zurück pro Person. Hotels schwanken saisonal stark, aktuelle Preise findest du über die Links weiter unten.

Geld & Bezahlen: Bezahlt wird in Euro (EUR). Deutschland ist bargeldfreundlicher als die Schweiz: In Bäckereien, Kiosken und kleinen Lokalen heisst es oft «nur Bargeld», Kartenzahlung geht aber fast überall ab CHF 10. Trinkgeld 5 bis 10 Prozent, beim Bezahlen aufrunden und den Betrag nennen. Anreise: Anreise mit Bahn (DB), Auto oder Flug, je nach Ziel 1 bis 8 Stunden.

Hotel-Empfehlungen

Neun Optionen in drei Preisklassen – jeweils die Häuser mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Budget

Hotel Schwabenwirt

Königsseer Strasse, Berchtesgaden

Traditioneller Gasthof an der Strasse zum Königssee, fünf Minuten zu Fuss vom Bahnhof, mit Wirtshaus, bayerischer Küche und einfachen, sauberen Zimmern, teils mit Watzmannblick. Für Reisende mit Bus und Zug, die ein ehrliches Frühstück wollen.

ab CHF 95 / Nacht Ansehen →

Alpenhotel Weiherbach

Weiherbach, Berchtesgaden

Familiengeführtes Haus in ruhiger Lage am Ortsrand mit Hallenbad, Sauna, Garten und Zimmern mit Balkon in die Berge. Bushaltestelle vor der Tür. Für Familien und Wanderer, die Wellness zum Gasthofpreis suchen.

ab CHF 120 / Nacht Ansehen →

Hotel Grünberger superior

Hansererweg, Berchtesgaden

Familienhotel an der Ache, drei Gehminuten vom Bahnhof und zehn hinauf in den Ort, mit Hallenbad, Sauna und kostenlosem Parkplatz. Zimmer solide und ruhig, Frühstücksbuffet, im November geschlossen. Für Familien und Bahnreisende, die Wellness zum Budgetpreis wollen.

ab CHF 120 / Nacht Ansehen →

Mittelklasse

Hotel Vier Jahreszeiten Berchtesgaden

Maximilianstrasse, Berchtesgaden

Das Traditionshaus im Ortszentrum seit 1876, mit Hallenbad, Sauna, Restaurant und Zimmern, die vom Watzmann bis zum Hohen Göll blicken. Teils renoviert, teils mit Patina, immer herzlich. Für alle, die zu Fuss im Ort sein und abends gut essen wollen.

ab CHF 140 / Nacht Ansehen →

Stoll's Hotel Alpina

Schönau am Königssee

Familienhotel in Schönau mit Hallen- und Aussenpool, Sauna, grossem Garten und Blick auf Watzmann und Jenner, zehn Minuten vom Bootssteg. Gute Küche mit Halbpension. Für Familien und alle, die fürs erste Boot nahe am See wohnen wollen.

ab CHF 160 / Nacht Ansehen →

Hotel EDELWEISS Berchtesgaden Superior

Maximilianstrasse, Berchtesgaden

Modernes Vier-Sterne-Haus mitten im Ort mit Dachpool, der auf den Watzmann schaut, grossem Spa, Bar und Restaurant. Zimmer zeitgemäss und hell, Garage im Haus. Für Paare und Familien, die Komfort und zentrale Lage verbinden wollen.

ab CHF 190 / Nacht Ansehen →

Luxus

Kempinski Hotel Berchtesgaden

Obersalzberg, Berchtesgaden

Luxusresort auf dem Obersalzberg mit Panoramapool, grossem Spa, Sternerestaurant und Blick auf Watzmann und Untersberg, direkt am Kehlstein-Busparkplatz. Die Lage am historischen Ort wird offen thematisiert. Für alle, die Komfort am Berg und Ruhe nach den Tagesgästen wollen.

ab CHF 380 / Nacht Ansehen →

Alpenhotel Zechmeisterlehen

Schönau am Königssee

Familiengeführtes Wellnesshotel auf einer Anhöhe über Schönau mit Infinity-Pool, Sauna-Dorf, Garten und Suiten mit Blick auf Watzmann und Hochkalter. Küche mit Produkten aus dem Tal, Halbpension inbegriffen. Für Paare, die nach der Bergtour ins Warme wollen.

ab CHF 300 / Nacht Ansehen →

Berghotel Rehlegg

Ramsau bei Berchtesgaden

Bio-Hotel in Ramsau, seit Generationen in Familienbesitz, mit Pool, Spa, eigener Landwirtschaft und einer Küche, die das Tal auf den Teller bringt. Zimmer mit Holz aus den eigenen Wäldern. Für alle, die Nachhaltigkeit ernst nehmen und Ruhe im Bergsteigerdorf wollen.

ab CHF 280 / Nacht Ansehen →

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Erlebnisse, die sich lohnen

Königssee-Schifffahrt bis Salet und Obersee

Elektroboot ab Schönau, 35 Minuten bis St. Bartholomä (rund CHF 24 hin und zurück), 55 Minuten bis Salet (rund CHF 30), dann 15 Minuten zu Fuss zum Obersee. Erstes Boot um 8 Uhr, im Hochsommer die einzige vernünftige Option. Ganzer Tag.

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Kehlsteinhaus mit Spezialbus

Mitte Mai bis Ende Oktober, Bus ab Obersalzberg mit Tunnel und Messinglift für rund CHF 32, oben Restaurant und der beste Rundblick der Region. Drei Stunden inklusive Rundweg, bei Nebel am Berg kein Ticket kaufen. Keine Ausstellung vor Ort.

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Dokumentation Obersalzberg

Seit 2023 mit neuer Dauerausstellung zum Führersperrgebiet, zu den Tätern und zum Bunker unter dem Berg, rund CHF 5, zwei Stunden, Bus 838 ab Berchtesgaden. Vor dem Kehlstein besuchen, nicht danach. Geführte Touren mit Historiker ab CHF 60.

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Salzbergwerk Berchtesgaden

Seit 1517 in Betrieb, Führung mit Grubenbahn, zwei Holzrutschen und Floss über den Spiegelsee, rund CHF 24, Kinder CHF 13, 90 Minuten bei 12 Grad. Das beste Regenprogramm des Tals, online buchen, an Regentagen früh ausverkauft.

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Jennerbahn und Jennergipfel

Zwei Sektionen ab Schönau auf 1'800 Meter für rund CHF 40 hin und zurück, Gipfel in 20 Minuten, Blick senkrecht auf den Königssee und auf die Watzmann-Ostwand. Mittelstation mit Almen und Spielplatz, Abstieg zu Fuss in drei Stunden.

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Wanderung Malerwinkel und St. Bartholomä bis Eiskapelle

Malerwinkel ab Bootssteg 30 Minuten, gratis, der klassische Blick über den See. Ab St. Bartholomä eine Stunde zur Eiskapelle am Fuss der Ostwand, Schneefeld nicht betreten. Geführte Nationalpark-Wanderungen mit Ranger ab CHF 15.

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Hintersee und Zauberwald in Ramsau

Bergsee mit Felsblöcken im Wald, Rundweg eine Stunde, gratis, Bus 846 mit Gästekarte. Mit Kindern das Schönste im Tal, bei Sonnenaufgang spiegelt sich der Hochkalter. Weiter in den Nationalpark zur Blaueishütte für Geübte.

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Rossfeld-Panoramastrasse

Deutschlands höchste Panoramastrasse auf 1'600 Meter, rund CHF 10 pro Auto, Blick auf Dachstein, Tennengebirge und Salzburg, Einkehr auf der Rossfeldhütte. Mit Velo oder Motorrad ein Klassiker, im Winter Rodelbahn.

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Tagesausflug Salzburg

Bus 840 in 50 Minuten in die Mozartstadt, mit dem Auto 35 Minuten. Altstadt, Festung Hohensalzburg (rund CHF 17 mit Bahn) und Mirabellgarten an einem Tag, Festspiele im Juli und August. Geführte Kombitouren Berchtesgaden ab Salzburg ab CHF 60.

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Essen & Trinken

Berchtesgaden kocht bayerisch mit Salzburger Akzent: Knödel in allen Formen, Wild aus dem Nationalpark, Saibling aus dem Königssee und Butter aus der Molkerei des Tals, die in ganz Deutschland im Regal steht. Dazu kommt der Enzian, ein Wurzelschnaps, der hier seit 350 Jahren gebrannt wird und den du nach dem Essen nicht ablehnen solltest.

Geräucherter Königssee-Saibling

Fischerei St. Bartholomä direkt am Bootssteg, Gasthaus St. Bartholomä

Saibling aus dem Königssee, in der Fischerei auf der Halbinsel St. Bartholomä geräuchert und warm mit Brot und Meerrettich gegessen. CHF 12 bis 15 für ein Stück, im Gasthof als Filet CHF 24 bis 28.

Tipp:Beim ersten Boot ist der Fisch frisch aus dem Rauch und die Bank am Ufer leer.

Kaspressknödelsuppe

Almen am Jenner (Mitterkaseralm, Königsbachalm) und Wirtshäuser in Ramsau

Flach gedrückte Knödel aus Brot und würzigem Bergkäse, in der Pfanne gebraten und in klarer Rindsuppe serviert, Salzburger Erbe. CHF 7 bis 9, als Vorspeise oder kleines Mittagessen.

Tipp:Als «Kaspressknödel mit Kraut» gibt es sie auch ohne Suppe als Hauptgericht.

Hirschgulasch mit Semmelknödel

Gasthaus Neuhaus am Marktplatz Berchtesgaden, Restaurants der Hotels in Schönau

Wild aus den Revieren rund um den Nationalpark, dunkel geschmort mit Preiselbeeren und Knödel. CHF 20 bis 26, im Herbst zur Wildwoche überall auf der Karte.

Tipp:September und Oktober sind Wildzeit, dann kommt es frisch und nicht aus dem Tiefkühler.

Schweinsbraten mit Knödel

Bräustüberl Berchtesgaden am Hofbrauhaus, Gasthöfe in Schönau und Bischofswiesen

Krustenbraten in Dunkelbiersauce mit Semmelknödel und Krautsalat, das Standardgericht jedes Wirtshauses im Tal. CHF 15 bis 19.

Tipp:Das Bräustüberl ist das Wirtshaus der Einheimischen mit Biergarten und Blasmusik am Wochenende.

Brettljause auf der Alm

Fischunkelalm am Obersee, Almen am Jenner und im Klausbachtal

Speck, Kaminwurzen, Bergkäse, Butter, Radieschen und Bauernbrot auf dem Holzbrett, dazu Buttermilch oder Almbier. CHF 10 bis 14, auf der Fischunkelalm auch mit frischer Milch.

Tipp:Auf den Almen gibt es nur Bargeld, und die Jause ist oft die einzige Mahlzeit, aber sie reicht.

Kaiserschmarrn

Berghütten am Jenner, Hintersee-Gasthöfe in Ramsau, Kehlsteinhaus-Terrasse

Zerrissener Pfannkuchen mit Rosinen und Zwetschgenröster, als Hauptgericht oder zum Teilen. CHF 11 bis 14 auf der Hütte, in Berchtesgaden näher an der Salzburger Variante, luftig und karamellisiert.

Tipp:Im Kehlsteinhaus ist er teurer, dafür mit dem Blick, den sonst niemand hat.

Enzian von Grassl

Enzianbrennerei Grassl am Ortsrand von Berchtesgaden mit Führung und Verkostung, jedes Wirtshaus

Klarer Schnaps aus der Wurzel des gelben Enzians, erdig, bitter, als Verdauungsschnaps nach dem Essen. Ein Stamperl CHF 3 bis 4, eine Flasche in der Brennerei ab CHF 25.

Tipp:Grassl ist seit 1692 die älteste Enzianbrennerei Deutschlands, die Führung kostet wenige Franken und erklärt, warum die Wurzel 20 Jahre wachsen muss.

Butter und Bergkäse aus dem Tal

Supermärkte und Hofläden im Tal, Frühstücksbuffet im Hotel

Die Molkerei Berchtesgadener Land verarbeitet Milch von 1'800 Bergbauern, ihre Butter und der Bergkäse sind auf jedem Frühstückstisch der Region. Im Hofladen oder Supermarkt CHF 3 bis 5 pro Stück.

Tipp:Als Mitbringsel Bergkäse am Stück kaufen, er hält die Rückfahrt im Rucksack aus.

Food-Tour buchen: Berchtesgaden und Königssee

Mit Guide durch Märkte und Lokale, inklusive Kostproben.

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Geschichte & Hintergrund

Berchtesgaden war über 700 Jahre ein eigener Staat, und das erklärt, warum sich der Ort bis heute nicht ganz als bayerisch empfindet. 1102 gründeten Augustiner-Chorherren hier ein Stift, und weil unter dem Boden Salz lag, wurde aus dem Kloster eine Fürstpropstei, die vom 13. Jahrhundert bis 1803 reichsunmittelbar war, also nur dem Kaiser unterstand, mit eigener Münze, eigenem Gericht und einem Salzbergwerk, das seit 1517 ununterbrochen fördert. Das Salz brachte Reichtum und Streit mit dem Erzbischof von Salzburg, der zwanzig Kilometer entfernt dasselbe Geschäft betrieb. Daneben entwickelte sich die Schnitzerei: Berchtesgadener War, Holzspielzeug und Spanschachteln, gingen bis nach Russland und Amerika. 1810 kam das Land zu Bayern, und die Wittelsbacher machten die Propstei zu ihrem Jagdschloss; Kronprinz Rupprecht lebte hier bis 1955. Die Maler der Romantik entdeckten den Königssee, der mit seinem Fjordcharakter und der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä zum meistgemalten See Deutschlands wurde; seit 1909 fahren die Boote elektrisch, damals aus Rücksicht auf Fische und Ruhe, heute ein Argument für sich. Die dunkle Zeit begann 1923, als Hitler im Obersalzberg oberhalb des Ortes Unterschlupf fand und ab 1933 das ganze Hochplateau zum Führersperrgebiet umbauen liess, mit dem Berghof, Häusern für Göring und Bormann, Kasernen, Bunkern und dem Kehlsteinhaus, das Bormann 1938 zum 50. Geburtstag Hitlers auf 1'834 Meter bauen liess. Von hier aus wurden Chamberlain und Schuschnigg empfangen, hier fiel die Entscheidung zum Überfall auf Polen. Im April 1945 bombardierte die Royal Air Force den Obersalzberg, die Reste wurden gesprengt, nur das Kehlsteinhaus blieb unversehrt. Die Amerikaner nutzten das Gelände bis 1995 als Erholungsgebiet, dann baute Bayern das Dokumentationszentrum und das Hotel. 1978 wurde der Nationalpark Berchtesgaden gegründet, der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands, mit Watzmann, Königssee und Steinernem Meer. Heute hat der Markt Berchtesgaden 8'000 Einwohner, der Talkessel mit Schönau, Ramsau und Bischofswiesen rund 30'000, und Salzburg ist näher als jede bayerische Stadt.

Insider-Tipps

Anreise: über Salzburg, mit dem Auto 5 Stunden, vor Ort Bus mit Gästekarte

Berchtesgaden liegt in einem Kessel, der auf drei Seiten von Österreich umgeben ist, und das macht Salzburg zum Tor: Ab Zürich fährst du mit dem Railjet in 5 Stunden 20 nach Salzburg Hauptbahnhof und steigst dort in den Bus 840, der in 50 Minuten direkt nach Berchtesgaden fährt, insgesamt gut 6 Stunden, Sparbillett ab CHF 45, Vollpreis mit Halbtax rund CHF 90 pro Weg. Die Alternative über München, Freilassing und die Berchtesgadener Land Bahn dauert 6 Stunden 30 mit zwei Umstiegen, ist aber nützlich, wenn du München vorher besuchst. Mit dem Auto sind es ab Zürich 460 Kilometer über Innsbruck und die Inntalautobahn nach Salzburg, knapp 5 Stunden, österreichische Vignette (10 Tage CHF 12) plus die Mautstrecke durch Tirol, oder über München und die A8, ähnlich lang und ohne Vignette, aber mit Stau vor Salzburg am Wochenende. Das Auto ist hier sinnvoll, aber nicht zwingend: Mit der Gästekarte, die du bei jeder Übernachtung bekommst, fahren alle RVO-Busse im Berchtesgadener Land gratis, also zum Königssee (Linie 841, 15 Minuten ab Bahnhof), zum Obersalzberg (838), nach Ramsau und zum Hintersee (846) und zum Jenner. Der Parkplatz am Königssee kostet CHF 8 pro Tag und ist im Sommer ab 9.30 Uhr voll, was allein schon für den Bus spricht. Wer mit dem Auto kommt, lässt es an solchen Tagen am Hotel stehen.

Königssee: erstes Boot, Echo, St. Bartholomä und der Obersee

Die Elektroboote fahren im Sommer ab 8 Uhr, und diese Uhrzeit entscheidet über den Tag: Mit dem ersten oder zweiten Boot bist du mit dreissig Leuten unterwegs, ab 10 Uhr stehst du eine Stunde am Steg in Schönau. Die Fahrt bis St. Bartholomä dauert 35 Minuten und kostet rund CHF 24 hin und zurück, bis Salet am Südende rund CHF 30, und du solltest immer bis Salet fahren. Unterwegs stoppt der Bootsführer vor der Echowand, spielt mit der Trompete gegen den Fels, und das Echo kommt doppelt zurück; danach geht der Hut herum, CHF 1 ist üblich. St. Bartholomä mit den roten Zwiebeltürmen vor der Watzmann-Ostwand ist das Bild, das du kennst, dazu Fischerei und Gasthof. Von Salet läufst du 15 Minuten zum Obersee, der stiller und noch grüner ist, mit der Fischunkelalm am anderen Ende (45 Minuten am Ufer entlang, Buttermilch und Käsebrot) und dahinter dem Röthbachfall, Deutschlands höchstem Wasserfall. Der Rückweg hat ein Problem: Ab 15 Uhr wollen alle gleichzeitig zurück, das letzte Boot im Sommer fährt um 18 Uhr. Nimm das Boot um 14 Uhr oder bleib bis 17 Uhr, wenn der Andrang vorbei ist. Von St. Bartholomä führt die Wanderung zur Eiskapelle (eine Stunde, Schneebrücke nicht betreten), für Trittsichere der Weg durch die Saugasse zum Kärlingerhaus am Funtensee, dem kältesten Ort Deutschlands.

Kehlsteinhaus und Obersalzberg: Geschichte, keine Aussichtsterrasse

Das Kehlsteinhaus, im Englischen Eagle's Nest, steht auf 1'834 Metern über dem Obersalzberg und ist von Mitte Mai bis Ende Oktober zugänglich, nur mit den Spezialbussen ab Parkplatz Obersalzberg (rund CHF 32 inklusive Lift), weil die Strasse für Privatautos gesperrt ist. Nach 124 Metern Tunnel und einem Messinglift in den Fels ist der Blick über Königssee, Watzmann, Salzburg und das Salzkammergut der beste der Region. Ehrlich einordnen musst du den Ort trotzdem: Das Haus war ein Repräsentationsbau für Diplomaten und Hitlers Geburtstagsgeschenk, kein Kommandostand, und heute ist darin ein Restaurant mit Terrasse und ein Souvenirladen. Es gibt keine Ausstellung, nur eine Schautafel, und Besucher machen Selfies vor Mussolinis Kamin. Deshalb gehört vorher die Dokumentation Obersalzberg dazu, 2023 mit neuer Dauerausstellung wiedereröffnet, Eintritt rund CHF 5, zwei Stunden: Sie erklärt das Führersperrgebiet, den Kult um den Berghof, die Täter und das, was die Idylle verdeckte, inklusive des begehbaren Bunkers. Doku am Vormittag und Kehlstein am frühen Nachmittag ergeben einen stimmigen Tag. Busse fahren alle 25 Minuten, bei Nebel am Berg kaufst du kein Ticket. Geführte Touren mit Historiker ab Berchtesgaden oder Salzburg (ab CHF 60) lohnen sich hier mehr als sonst, weil sie das Erklären übernehmen, das vor Ort fehlt.

Unterkunft: Berchtesgaden, Schönau oder Ramsau, und wann es voll ist

Der Markt Berchtesgaden ist der Hauptort mit Bahnhof, Schloss und Fussgängerzone, Schönau am Königssee liegt am Seeufer und ist fürs erste Boot die beste Basis, Ramsau im Nebental ist das Bergsteigerdorf mit der meistfotografierten Kirche Bayerns und dem Hintersee. Mit Gästekarte und Bus bist du von überall in 15 bis 20 Minuten am See. Ein Mittelklasse-Doppelzimmer kostet CHF 130 bis 180, ein Gasthof mit Frühstück CHF 100 bis 130, eine Pension CHF 80 bis 100, dazu die Kurtaxe von rund CHF 3 pro Person und Nacht. Das Preisniveau liegt leicht über Garmisch und deutlich unter dem Berner Oberland. Viele Häuser verlangen im Sommer und über Weihnachten einen Mindestaufenthalt von drei Nächten, Ferienwohnungen fast immer. Voll ist es von Mitte Juli bis Ende August, an den Pfingst- und Herbstferien-Wochenenden, über Silvester und wenn in Salzburg Festspiele sind, denn dann weichen Festspielgäste in die günstigeren Hotels im Berchtesgadener Land aus. Dann buchst du zwei bis drei Monate voraus. Die beste Nebensaison ist September bis Mitte Oktober: alle Bahnen und Boote fahren, Wetter stabil, Preise 20 Prozent tiefer. Ab November bis Mitte Dezember und von Ostern bis Mitte Mai sind Kehlstein und Jenner geschlossen oder in Revision, dafür ist der Königssee dann am stillsten. Frühstück ist meist inbegriffen und in den Gasthöfen gut, mit Bergkäse und Butter aus der Molkerei Berchtesgadener Land.

Salzbergwerk, Jenner, Watzmann und Rossfeld: Kostenfallen und was sich lohnt

Das Salzbergwerk ist seit 1517 in Betrieb und als Schaubergwerk das beste Regenprogramm der Region: Mit Grubenbahn, zwei Holzrutschen, Floss über den Spiegelsee und Bergmannskleidung dauert die Führung 90 Minuten und kostet rund CHF 24, Kinder CHF 13, unten sind es konstant 12 Grad. Online buchen, an Regentagen sind Zeitfenster ab Mittag weg. Die Jennerbahn fährt ab Schönau in zwei Sektionen auf 1'800 Meter, hin und zurück rund CHF 40, und oben hast du den Blick senkrecht hinunter auf den Königssee und hinüber zum Watzmann; der Gipfel ist vom Berghaus in 20 Minuten erreichbar. Teuer, aber der Aussichtsberg, der sich lohnt, wenn der Kehlstein zu ist. Günstiger ist der Blick vom Malerwinkel, ein Spaziergang von 30 Minuten ab Bootssteg, gratis. Die Rossfeld-Panoramastrasse (rund CHF 10 pro Auto) ist Deutschlands höchste Passstrasse mit Blick auf Dachstein und Tennengebirge. Der Watzmann selbst mit 2'713 Metern ist ein Zweitagesprojekt mit Übernachtung im Watzmannhaus (Lager CHF 25 für DAV-Mitglieder, sonst CHF 40); die Überschreitung über Hocheck, Mittelspitze und Südspitze ist eine ernsthafte Klettersteig-Tour, bei der jedes Jahr Menschen sterben, nichts für Turnschuhe. Zum Watzmannhaus allein kommst du als geübter Wanderer in vier Stunden ab Wimbachbrücke. Die Almbachklamm bei Marktschellenberg (rund CHF 6) ist die leere Alternative zur Partnachklamm, der Zauberwald am Hintersee ist gratis und mit Kindern das Schönste im Tal.

Salzburg nebenan, Essen im Tal und das Timing für den Sommer

Salzburg liegt 25 Kilometer entfernt und ist mit dem Bus 840 in 50 Minuten erreichbar, mit dem Auto in 35 Minuten. Das macht Berchtesgaden zur günstigen Basis für einen Tag Mozartstadt und bei den Salzburger Festspielen im Juli und August zur Ausweichadresse. Ein Tag reicht für Altstadt, Festung und Mirabellgarten; im Advent ist der Christkindlmarkt am Domplatz eine Alternative zum kleinen Berchtesgadener Adventsmarkt. Das Essen im Tal ist bayerisch mit Salzburger Einfluss: Kaspressknödel in der Suppe, Hirschgulasch aus dem Nationalpark, Saibling aus dem Königssee, dazu Enzianschnaps der Brennerei Grassl, der ältesten Enzianbrennerei Deutschlands, und Bier aus dem Hofbrauhaus Berchtesgaden, dessen Bräustüberl am Ortsrand das Wirtshaus der Einheimischen ist. Zum Timing: Juli und August sind heiss, voll und gewittrig, an schönen Wochenenden ist der Parkplatz am Königssee ab 9.30 Uhr gesperrt und die Strasse von Berchtesgaden nach Schönau steht. Wer im Hochsommer kommt, wohnt in Schönau, geht um 7.45 Uhr an den Steg, kehrt um 14 Uhr zurück, verbringt den Nachmittag im Hotelpool oder in der Watzmann-Therme (rund CHF 15 für drei Stunden) und geht erst um 17 Uhr wieder raus. Der Winter ist ruhig und schön: Das Boot fährt bis St. Bartholomä, wenn der See nicht zugefroren ist, der Jenner hat ein kleines Skigebiet, Ramsau Loipen, und an Heiligabend wecken die Weihnachtsschützen mit Böllern die Nacht.

Häufige Fragen zu Berchtesgaden und Königssee

Wie komme ich von der Schweiz nach Berchtesgaden, und was kostet es?

Mit dem Railjet ab Zürich nach Salzburg (5 Stunden 20), dort Bus 840 nach Berchtesgaden (50 Minuten), insgesamt rund 6 Stunden, Sparbillett ab CHF 45, Vollpreis mit Halbtax rund CHF 90 pro Weg. Über München und Freilassing dauert es 6 Stunden 30. Mit dem Auto sind es 460 Kilometer und knapp 5 Stunden, über Innsbruck mit österreichischer Vignette oder über München ohne. Vor Ort fahren alle RVO-Busse mit der Gästekarte gratis, zum Königssee, Obersalzberg, Jenner und Hintersee, das Auto bleibt im Hochsommer besser am Hotel.

Wie viele Tage sollte man für Berchtesgaden und Königssee einplanen?

Drei Nächte: ein Tag Königssee bis Salet mit Obersee und Fischunkelalm, ein Tag Dokumentation Obersalzberg und Kehlsteinhaus, ein Tag Salzbergwerk plus Jenner oder Hintersee und Zauberwald. Mit einem vierten Tag fährst du nach Salzburg oder machst die Wanderung zum Watzmannhaus. Für Bergsteiger mit Hüttentouren im Steinernen Meer oder der Watzmann-Überschreitung reicht eine Woche nicht. Zwei Nächte sind das Minimum, weil der Königssee allein einen vollen Tag braucht, wenn du ihn richtig machst.

Wann ist die beste Reisezeit für den Königssee?

September bis Mitte Oktober: stabiles Wetter, alle Boote und Bahnen in Betrieb, Lärchen im Steinernen Meer gelb, 20 Prozent weniger Leute und Preise als im August. Juni ist grün und noch ruhig, aber mit Restschnee auf den Höhenwegen. Juli und August sind voll, dann nur mit dem ersten Boot. Der Kehlstein ist nur Mitte Mai bis Ende Oktober offen, der Jenner hat Revision im November und April. Der Winter mit Schnee auf St. Bartholomä ist still und günstig, das Boot fährt bei eisfreiem See bis zur Halbinsel.

Ist das Kehlsteinhaus eine Nazi-Gedenkstätte oder ein Aussichtspunkt?

Weder noch, und das ist das Problem. Es ist ein historisches Gebäude mit Restaurant, grossartiger Aussicht und ohne Ausstellung, nur eine Schautafel erklärt die Geschichte. Deshalb empfehlen wir, zuerst die Dokumentation Obersalzberg zu besuchen (rund CHF 5, zwei Stunden, seit 2023 mit neuer Dauerausstellung und Bunker), die das Führersperrgebiet, den Kult und die Täter einordnet, und danach mit dem Bus (rund CHF 32) hinaufzufahren. So weisst du, wo du stehst. Wer nur Aussicht will, ist auf dem Jenner besser aufgehoben.

Was kostet Berchtesgaden im Vergleich zum Berner Oberland?

Rund 30 bis 40 Prozent weniger. Königssee-Boot CHF 30 gegen Brienzersee-Rundfahrt CHF 50 ohne Halbtax, Jennerbahn CHF 40 gegen Schilthorn CHF 110, Mittelklasse-Doppelzimmer CHF 130 bis 180 gegen CHF 180 bis 250 in Grindelwald, Schweinsbraten auf der Alm CHF 16 gegen CHF 28. Kurtaxe CHF 3 pro Nacht, dafür Busse gratis. Mit CHF 120 bis 150 pro Tag und Person inklusive Hotel und einer Attraktion bist du komfortabel unterwegs, mit CHF 90 in der Pension sparsam.

Kann man den Watzmann besteigen, und braucht man einen Bergführer?

Bis zum Watzmannhaus auf 1'930 Metern ja, als geübter Wanderer in vier Stunden ab Wimbachbrücke, Übernachtung CHF 25 bis 40 im Lager, reservieren Pflicht. Das Hocheck (2'651 Meter) ist von dort in zwei Stunden auf gutem Steig erreichbar, bei Trittsicherheit ohne Führer. Die Überschreitung über Mittelspitze und Südspitze mit Abstieg ins Wimbachgries ist ein langer, ausgesetzter Klettersteig der Schwierigkeit I bis II mit jährlich tödlichen Unfällen, nur bei stabilem Wetter, mit Helm und für Ungeübte nur mit Bergführer (rund CHF 350 bis 450 pro Person in der Kleingruppe). Die Ostwand ist alpines Klettern.

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