Geschichte & Hintergrund
Berchtesgaden war über 700 Jahre ein eigener Staat, und das erklärt, warum sich der Ort bis heute nicht ganz als bayerisch empfindet. 1102 gründeten Augustiner-Chorherren hier ein Stift, und weil unter dem Boden Salz lag, wurde aus dem Kloster eine Fürstpropstei, die vom 13. Jahrhundert bis 1803 reichsunmittelbar war, also nur dem Kaiser unterstand, mit eigener Münze, eigenem Gericht und einem Salzbergwerk, das seit 1517 ununterbrochen fördert. Das Salz brachte Reichtum und Streit mit dem Erzbischof von Salzburg, der zwanzig Kilometer entfernt dasselbe Geschäft betrieb. Daneben entwickelte sich die Schnitzerei: Berchtesgadener War, Holzspielzeug und Spanschachteln, gingen bis nach Russland und Amerika. 1810 kam das Land zu Bayern, und die Wittelsbacher machten die Propstei zu ihrem Jagdschloss; Kronprinz Rupprecht lebte hier bis 1955. Die Maler der Romantik entdeckten den Königssee, der mit seinem Fjordcharakter und der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä zum meistgemalten See Deutschlands wurde; seit 1909 fahren die Boote elektrisch, damals aus Rücksicht auf Fische und Ruhe, heute ein Argument für sich. Die dunkle Zeit begann 1923, als Hitler im Obersalzberg oberhalb des Ortes Unterschlupf fand und ab 1933 das ganze Hochplateau zum Führersperrgebiet umbauen liess, mit dem Berghof, Häusern für Göring und Bormann, Kasernen, Bunkern und dem Kehlsteinhaus, das Bormann 1938 zum 50. Geburtstag Hitlers auf 1'834 Meter bauen liess. Von hier aus wurden Chamberlain und Schuschnigg empfangen, hier fiel die Entscheidung zum Überfall auf Polen. Im April 1945 bombardierte die Royal Air Force den Obersalzberg, die Reste wurden gesprengt, nur das Kehlsteinhaus blieb unversehrt. Die Amerikaner nutzten das Gelände bis 1995 als Erholungsgebiet, dann baute Bayern das Dokumentationszentrum und das Hotel. 1978 wurde der Nationalpark Berchtesgaden gegründet, der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands, mit Watzmann, Königssee und Steinernem Meer. Heute hat der Markt Berchtesgaden 8'000 Einwohner, der Talkessel mit Schönau, Ramsau und Bischofswiesen rund 30'000, und Salzburg ist näher als jede bayerische Stadt.