Geschichte & Hintergrund
Die Dardanellen, die schmale Meerenge zwischen Europa und Asien, haben Weltgeschichte entschieden, und Çanakkale liegt an ihrer engsten Stelle. Dreissig Kilometer südlich gruben Heinrich Schliemann und seine Nachfolger ab 1870 den Hügel Hisarlık auf und fanden neun übereinanderliegende Siedlungen: Troja, dessen Krieg Homer in der Ilias besang und das heute UNESCO-Welterbe ist. Perser, Alexander der Grosse, Römer und Byzantiner überquerten hier die Meerenge, bis Sultan Mehmed II. um 1462 die beiden Festungen Kilitbahir und Kale-i Sultaniye bauen liess, aus der die Stadt Çanakkale entstand. Der Name bedeutet «Festung der Töpferei», denn die Stadt war bis ins 20. Jahrhundert für Keramik bekannt. 1915 wurde die Meerenge zum Schlachtfeld: Die Alliierten versuchten, mit Schiffen und einer Landung auf der Halbinsel Gallipoli zu Istanbul durchzubrechen. Die osmanische Armee unter Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk, hielt stand, über 100000 Soldaten beider Seiten starben. Für die Türkei ist Çanakkale seither ein nationaler Erinnerungsort, für Australier und Neuseeländer der Ort des Anzac Day. Seit 2022 verbindet die 1915-Çanakkale-Brücke, die längste Hängebrücke der Welt, die beiden Ufer.